Freitag, 22. August 2008

Funny story?

Pisa hat doch recht. Jugendliche sind immer weniger in der Lage selbst einfache Texte zu verstehen. Hier ein Beispiel aus dem Alltag einer nicht namentlich genannten Gesamtschule im Westen des Landes:
Im Zuge der Behandlung des Themas "Großstadtlyrik" im Deutschunterricht der Klasse 10 wird, um die Schüler nicht gleich am Anfang der Reihe mit Expressionismus zu überfordern, das Grönemeyer-Lied "Bochum" behandelt. Das Lied wird gehört, die Schüler sind motiviert. Das kennen sie, einige können den Text, dank regelmäßiger Praxis im Fußballstadion, sogar auswendig. Als die Frage aufkommt, wer im Text spricht, kann die spontane Äußerung "Grönemeyer" vorsichtig auf das "lyrische Ich" verlagert werden. Dies gilt es nun etwas genauer zu fassen. Nach einigen Fehlversuchen gelingt einem Schüler die Antwort: "ein Bochumer". Die Lehrkraft strahlt. Aber nur so lange bis der nächste Schüler eine ernüchternde Äußerung macht: "Wieso? Versteh ich nich. Kann doch auch n Kölner oder n Düsseldorfer sein." Nur nicht entmutigen lassen, denkt sich die motivierte Lehrkraft, und schlägt vor, gemeinsam die Textstelle zu suchen, die die Aussage belegt. Mutig preschen ein paar SchülerInnen mit Zitaten vor. Dann findet sich schließlich die Zeile "Bochum, ich komm aus dir". Der Lehrkraft fällt ein Stein vom Herzen. Geht doch. Zufrieden und aufmunternd lächelt sie den Schüler an und sucht in seinem Gesicht nach Anzeichen des Verständisses und der Zustimmung. Fehlanzeige: "Versteh ich trotzdem nich, aber egal", ist alles, was er noch zu diesem Thema zu sagen hat.

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