Das Leben ist so einfach, wenn man Schülertexten glauben darf. Aus alltäglichen Vorkommnissen werden logische Schlussfolgerungen gezogen, dass es eine wahre Freude ist und ein Fünkchen Hoffnung für eine verloren geglaubte Generation aufkeimt.
So können wir in einem fiktiven Tagebucheintrag folgendes lesen:
"Als ich dann gesagt bekommen habe das mich ein Mann namens Ehrenfried Walter von Tschirnhaus beaufsichtigen sollte, dacht ich mir schon, dass ich mit ihm versuchen sollte weißes Gold herzustellen."
Klar. Was sonst.
"Als er mir verriet, dass er Naturforscher und Physiker ist bestätigte sich meine Frage von allein."
Ich bin erleichtert.
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Dienstag, 12. April 2011
Mittwoch, 16. September 2009
Geht Karlo zum Schamanen?
Seit heute darf man nun vom endgültigen Tod des Schwarzackers sprechen. Klingelschilder werden neu geschrieben. S. hat sich achselzuckend mit einem feuchten Händedruck verabschiedet und sich eingeredet, dass ja eigentlich gar nichts anders wird, sie sei ja auch bei facebook, oder so. C. ist eh dauernd zu Besuch und wirft argwöhnische Blicke auf ihre Hinterlassenschaften.
Ich flüchte in meine Magisterarbeit und damit in den Mikrokosmos des altehrwürdigen Lesesaals der Deutschen Nationalbibliothek zu Leipzig. Von den schweren Eichentischen sprach ich bereits, an die ich beinahe mein Notebook für immer und ewig festgekettet hätte. Neben dem Mobiliar gibt es immer wieder auch Besucher, die es wert sind, dass man über sie ein Wort verliert: Insbesondere die Pärchen haben meine ungeteilte Aufmerksamkeit, sofern sie einen Tisch in meinem Blickfeld besetzen.
Ein Pärchen, wahrscheinlich beide Tiermedizin studierend, schrieb am gemeinsamen Blog (www.karlos-welt.de). Ich hatte trotz meiner Kurzsichtigkeit den Blogtitel über seine Schulter hinweg erspähen können und wurde hinter seinem Rücken zur heimlichen Blogleserin – live und in Farbe. Thema: Der hauseigene Kater schießt aus Katerperspektive Fotos und kommentiert diese in Katermanier, leider sehr lieblos, was Rechtschreibung und Grammatik angeht und wirklich nicht mein Humor.
Ein weiteres Pärchen erregte über mehrere Wochen meine Aufmerksamkeit. Die lebhaften Hände der beiden ließen vom Schoß des jeweils anderen unterm Tisch nur selten ab. Die Frau prägte zudem die Atmosphäre mit ihrem intensiven, beißenden Körpergeruch, der ihr schon morgens gegen neun Uhr anhaftete. Der pheromongedopte Typ machte es sich zu allem Übel zur Gewohnheit, immer dann, wenn sie sich gerade ein Buch holte oder zur Toilette ging, seinen Wordtext-Bildschirminhalt gegen billige Pornobildchen zu tauschen, um gerade rechtzeitig zu ihrer Rückkehr wieder „am Text zu arbeiten“. An drei verschiedenen Tagen wiederholte sich dieses Schauspiel, sodass ich von einer gewissen Regelmäßigkeit ausgehe und meinen Platz seither sehr sorgfältig in weiter Ferne derselben wähle.
Ein dritter Banknachbar beglückte mich in dieser Woche mit einer äußerst aufschlussreichen Buchauswahl, die ich hier mal kommentarlos und gewohnt vorurteilsfrei visualisiere.
Ich flüchte in meine Magisterarbeit und damit in den Mikrokosmos des altehrwürdigen Lesesaals der Deutschen Nationalbibliothek zu Leipzig. Von den schweren Eichentischen sprach ich bereits, an die ich beinahe mein Notebook für immer und ewig festgekettet hätte. Neben dem Mobiliar gibt es immer wieder auch Besucher, die es wert sind, dass man über sie ein Wort verliert: Insbesondere die Pärchen haben meine ungeteilte Aufmerksamkeit, sofern sie einen Tisch in meinem Blickfeld besetzen.
Ein Pärchen, wahrscheinlich beide Tiermedizin studierend, schrieb am gemeinsamen Blog (www.karlos-welt.de). Ich hatte trotz meiner Kurzsichtigkeit den Blogtitel über seine Schulter hinweg erspähen können und wurde hinter seinem Rücken zur heimlichen Blogleserin – live und in Farbe. Thema: Der hauseigene Kater schießt aus Katerperspektive Fotos und kommentiert diese in Katermanier, leider sehr lieblos, was Rechtschreibung und Grammatik angeht und wirklich nicht mein Humor.
Ein weiteres Pärchen erregte über mehrere Wochen meine Aufmerksamkeit. Die lebhaften Hände der beiden ließen vom Schoß des jeweils anderen unterm Tisch nur selten ab. Die Frau prägte zudem die Atmosphäre mit ihrem intensiven, beißenden Körpergeruch, der ihr schon morgens gegen neun Uhr anhaftete. Der pheromongedopte Typ machte es sich zu allem Übel zur Gewohnheit, immer dann, wenn sie sich gerade ein Buch holte oder zur Toilette ging, seinen Wordtext-Bildschirminhalt gegen billige Pornobildchen zu tauschen, um gerade rechtzeitig zu ihrer Rückkehr wieder „am Text zu arbeiten“. An drei verschiedenen Tagen wiederholte sich dieses Schauspiel, sodass ich von einer gewissen Regelmäßigkeit ausgehe und meinen Platz seither sehr sorgfältig in weiter Ferne derselben wähle.
Ein dritter Banknachbar beglückte mich in dieser Woche mit einer äußerst aufschlussreichen Buchauswahl, die ich hier mal kommentarlos und gewohnt vorurteilsfrei visualisiere.
Dienstag, 11. August 2009
Welt ohne Fernsehen und Sex
Mehrmals erntete ich in der vergangenen Woche verständnisloses Kopfschütteln aufgrund meines Bekenntnisses, (noch immer!) Google als Suchmaschine zu benutzen. Um ehrlich zu sein, ich sehe darin einen solidarischen Akt. Ich fühle mich so als aktiver Teil zahlreicher Verschwörungstheorien – welches Sinnpotenzial. Google liefert außerdem sehr aufschlussreiche Suchergebnisse, auf die ich meine hausgemachte Gesellschaftskritik gründen kann. Mir sind inzwischen die TV-Serien ausgegangen - Sommerpause, Staffelende etc. Da ich Bildschirmberieselung nach einem Tag in der Bibliothek jedoch sehr schätze, wagte ich den Versuch, nach einer neuen Serie zu suchen, die etwas mehr Inhalt transportiert und etwas weniger vorhersehbar ist. Mein Suchbegriff: „TV für Intellektuelle“ liefert innerhalb von 0,35 Sekunden ganze VIER Ergebnisse. Die Suche auf Englisch listet sogar noch weniger Einträge auf. Ich bin ratlos. Fernsehen und Intellektualität scheinen unvereinbar. Aber wer jetzt denkt, diese spannungsreiche Beziehung läge vor allem an dem Phänomen der Niveaulosigkeit von Fernsehen, der irrt. Es muss an der Eigenart der Intellektuellen liegen: Wie sonst könnte die Suche nach „Sex für Intellektuelle“ die Anzahl der Suchergebnisse noch unterschreiten: DREI!? Eine seltsame Schwere befällt mich. Ein Leben als Intellektuelle kommt für mich nicht mehr infrage, jedenfalls nicht in Googles Welt.
P.S. „Ein Intellektueller ist ein Mensch, dessen Geist sich selbst beobachtet.“ (Albert Camus)
P.S. „Ein Intellektueller ist ein Mensch, dessen Geist sich selbst beobachtet.“ (Albert Camus)
Freitag, 7. August 2009
Googlegott, der du bist im Internetz...
Im Rahmen meiner diesjährigen Spontanurlaubsplanung habe ich Google-Earth wiederentdeckt und mir die zur Auswahl stehenden Feriendomizile auf den von anderen Urlaubern geposteten Fotos angesehen. Da dieser Service kostenfrei ist, wird neben den Fotos Werbung eingeblendet. Normalerweise ist mein interneterprobtes Hirn trainiert, diese "Sponsored Links" nicht zu beachten. Seltsamer Weise fielen mir jedoch diese Kuriositäten automatisierter Werbung ins Auge.

Auch wenn die Werbung vom Todes-Test offensichtlich eine computergenerierte Übersetzung ist, schätze ich dieses Kleinod in meiner Muttersprache besonders. Vielleicht erfahre ich hier, wann ich sterben muss, oder auch, ob ich jemanden umbringen werde, ohne es zu merken. Vielleicht eine Fliege oder einen Käfer? Wenn aber 5 Tonnen nur 2,99 Euro? Kosten, dann kann ich mir sehr viele Fliegenmorde leisten. Bei einem Durchschnittsgewicht von 75 kg kann ich für einen "e" auch 22 Menschen ins Jenseits befördern bzw. nur 4,5 cent pro Korpus berappen. Doch mit dem Tod habe ich nicht so viel am Hut. Ich bin am Leben interessiert und deshalb begeistert mich natürlich shopping.com mit seinem Angebot: Hier wird bewiesen, dass man für Geld doch alles kaufen kann. Sollte ich mich für eine Autobahnbaustelle entscheiden, kann ich im gleichen Laden auch die passenden Bauarbeiten erwerben. Ich spare sicher auch Porto, wenn ich eine Gesamtlieferung akzeptiere. Wunderbar! Das Internetz erfüllt alle meine Träume von Leben und Tod. Danke, Googlegott!

Auch wenn die Werbung vom Todes-Test offensichtlich eine computergenerierte Übersetzung ist, schätze ich dieses Kleinod in meiner Muttersprache besonders. Vielleicht erfahre ich hier, wann ich sterben muss, oder auch, ob ich jemanden umbringen werde, ohne es zu merken. Vielleicht eine Fliege oder einen Käfer? Wenn aber 5 Tonnen nur 2,99 Euro? Kosten, dann kann ich mir sehr viele Fliegenmorde leisten. Bei einem Durchschnittsgewicht von 75 kg kann ich für einen "e" auch 22 Menschen ins Jenseits befördern bzw. nur 4,5 cent pro Korpus berappen. Doch mit dem Tod habe ich nicht so viel am Hut. Ich bin am Leben interessiert und deshalb begeistert mich natürlich shopping.com mit seinem Angebot: Hier wird bewiesen, dass man für Geld doch alles kaufen kann. Sollte ich mich für eine Autobahnbaustelle entscheiden, kann ich im gleichen Laden auch die passenden Bauarbeiten erwerben. Ich spare sicher auch Porto, wenn ich eine Gesamtlieferung akzeptiere. Wunderbar! Das Internetz erfüllt alle meine Träume von Leben und Tod. Danke, Googlegott!
Montag, 25. Mai 2009
Fünf Zucker - fünf Milch
Mit der Bahn kommt man rum, zum Beispiel einmal quer durch die Republik: IC Köln-Leipzig, Montag 11:49. Dabei trifft man gelegentlich auch die Reichen und Schönen dieses Landes, da sie von Verspätungen und verpassten Anschlüssen ebenso wenig verschont werden, wie alle anderen: die große Gleichmacherin Bahn.
Auf halber Strecke zwischen Köln und Leipzig, in Hannover, füllt sich der Zug schlagartig. Ich sitze mit einer anderen weiblichen Schönheit an einem Vierertisch, gegenüber versetzt, um der Beinfreiheit Willen. Ein hagerer Herr nähert sich, mit Mühe einen abgewetzten Alukoffer schleppend, sieht auf meine Handtasche, die neben mir den Sitz belegt und fragt eher rhetorisch: „Hier ist doch noch frei?!“ Ich blicke wortlos auf, räume den Sitz leer und will mich gerade wieder dem Eckstein widmen, da sehe ich eine Frau im Stechschritt hinter dem Typen herkommen. Entrüstet zischt sie ihn an, dass er das nächste Mal gefälligst vorsichtig mit seinem Koffer sein solle und mehr aufpassen und Rücksicht nehmen. Er schenkt ihr keinerlei Beachtung und hievt genervt sein verbeultes Gepäckstück auf die Ablage, wo es bei jeder Be- und Entschleunigung des Zuges zwischen zwei Trennwänden pendelt. Die Dame wirkt irritiert, hilflos, geht an ihren Platz zurück. Ist er ihr etwa über den Fuß gefahren? Ich habe nichts gesehen, aber meine geschlechtersolidarische Neigung lässt mich den Kerl sofort als arrogantes Arschloch einstufen. Er hat sich nicht wofür auch immer entschuldigt und auch nicht nachgefragt, was denn passiert sei. Das ist für mich ein schweigendes Eingeständnis.
Kaum fünf Sekunden sitzend, den Laptop aufgeklappt, fragt er mich, was ich dächte, wie lange ich die Steckdose noch benutzen wollte. „Es sind zwei.“, antworte ich. Nun, das war zwar keine Antwort auf seine Frage, aber was wollte ich ihm damit sagen? Etwa, dass wir uns gar nicht um eine Steckdose streiten müssen? Langsam dämmert ihm, was ich meine. Beobachtungsgabe scheint nicht zu seinen Stärken zu gehören.
Der rollende Krämerladen der Bahn nähert sich leise von hinten: Mister Ignorant bestellt Kaffee und quetscht den Pappbecher zwischen unsere beiden Notebooks, wo er bereits sein Mousepad deplatziert hat – ein Buch von Richard David Precht über „Lenin“, der „nur bis Lüdenscheid“ kam. Ich denke, im Zug wäre mir eine Maus, noch dazu mit Pad viel zu umständlich und Platz raubend, noch dazu ein dickes Buch. Eventuell ist ja sein Touchpad defekt, überlege ich entschuldigend. Nun, ein Kaffee kommt selten allein. Mein Nachbar gewinnt die Eigenschaft „exzentrisch“ hinzu. Der Grund sind exakt fünf aufgerissene Milchbecher, die er wie eine Balustrade vor sein Notebook gruppiert, sowie exakt fünf Tütchen Auszugszucker. Alle zehn Behälter werden in den Kaffeebecher geleert.
Das Handy klingelt. Sein Akku macht gleich die Mücke. Leute wie er haben normalerweise Blackberries und jammern nicht über Akklaufzeiten. Er redet von Lesungen und Illner und dass er auf dem Weg „in den Osten“ sei. Das lässt mich aufhorchen. Er lobt Fotostrecken, in denen er eine Erde, nein, eine Handvoll Erde in der Hand habe. Er bedankt sich für eine gelungene Produktion und warnt vor der Veröffentlichung unvorteilhafter Bilder. Eigen-PR scheint er zu beherrschen, wo es ihm berechenbar nützt. Höflich zu Lieschen Müller kann er nicht sein.
Langsam dämmert mir auch, woher ich dieses Gesicht kenne: Ich habe ihn bei Beckmann im Fernsehen gesehen. Die Realität ist enttäuschend. Er entbehrt hier im Unterschichtabteil jeder eloquenten Demut. Vielleicht wirkt die Umgebung auf ihn, wie Blattwerk auf ein Chamäleon. Vielleicht hat er die Anpassung längst perfektioniert. Später am Abend lese ich über sein nächstes Buchprojekt und bin ab da überzeugt, dass ich Zeugin einer Feldstudie im Selbstversuch wurde: „Die meisten Menschen wollen gut sein, sind es aber nicht. Wie kommt das eigentlich?“
Die Buchbranche scheint ihn momentan von Hotelzimmer zu Hotelzimmer zu hetzen. Die Pseudo-Intellektuellen haben schließlich seinen Marktwert entdeckt, ein Philosoph, der dem Volk aufs Maul schaut und auf die Finger. Ich schaue wiederum ihm auf die Finger und entdecke: Sein rechter Zeigefinger bewältigt die komplette Texteingabe. Der linke Zeigefinger wird lediglich zur Betätigung der Shift-Taste gebraucht. Wie kann man Bücher mit anderthalb Fingern schreiben? Meine ganze Bewunderung gilt dieser Technik. Meine ganze Bewunderung gilt am Ende deshalb Richard David Precht, dem ich kurz vor Ankunft seine halbvolle Apfelschorle klaue, nur um seine DNA in meiner Handtasche mit nach Hause nehmen zu können. Naja, eigentlich nur, damit ich darüber dann auch bloggen kann. Eine weitere Inszenierung in diesem Theater.
Auf halber Strecke zwischen Köln und Leipzig, in Hannover, füllt sich der Zug schlagartig. Ich sitze mit einer anderen weiblichen Schönheit an einem Vierertisch, gegenüber versetzt, um der Beinfreiheit Willen. Ein hagerer Herr nähert sich, mit Mühe einen abgewetzten Alukoffer schleppend, sieht auf meine Handtasche, die neben mir den Sitz belegt und fragt eher rhetorisch: „Hier ist doch noch frei?!“ Ich blicke wortlos auf, räume den Sitz leer und will mich gerade wieder dem Eckstein widmen, da sehe ich eine Frau im Stechschritt hinter dem Typen herkommen. Entrüstet zischt sie ihn an, dass er das nächste Mal gefälligst vorsichtig mit seinem Koffer sein solle und mehr aufpassen und Rücksicht nehmen. Er schenkt ihr keinerlei Beachtung und hievt genervt sein verbeultes Gepäckstück auf die Ablage, wo es bei jeder Be- und Entschleunigung des Zuges zwischen zwei Trennwänden pendelt. Die Dame wirkt irritiert, hilflos, geht an ihren Platz zurück. Ist er ihr etwa über den Fuß gefahren? Ich habe nichts gesehen, aber meine geschlechtersolidarische Neigung lässt mich den Kerl sofort als arrogantes Arschloch einstufen. Er hat sich nicht wofür auch immer entschuldigt und auch nicht nachgefragt, was denn passiert sei. Das ist für mich ein schweigendes Eingeständnis.
Kaum fünf Sekunden sitzend, den Laptop aufgeklappt, fragt er mich, was ich dächte, wie lange ich die Steckdose noch benutzen wollte. „Es sind zwei.“, antworte ich. Nun, das war zwar keine Antwort auf seine Frage, aber was wollte ich ihm damit sagen? Etwa, dass wir uns gar nicht um eine Steckdose streiten müssen? Langsam dämmert ihm, was ich meine. Beobachtungsgabe scheint nicht zu seinen Stärken zu gehören.
Der rollende Krämerladen der Bahn nähert sich leise von hinten: Mister Ignorant bestellt Kaffee und quetscht den Pappbecher zwischen unsere beiden Notebooks, wo er bereits sein Mousepad deplatziert hat – ein Buch von Richard David Precht über „Lenin“, der „nur bis Lüdenscheid“ kam. Ich denke, im Zug wäre mir eine Maus, noch dazu mit Pad viel zu umständlich und Platz raubend, noch dazu ein dickes Buch. Eventuell ist ja sein Touchpad defekt, überlege ich entschuldigend. Nun, ein Kaffee kommt selten allein. Mein Nachbar gewinnt die Eigenschaft „exzentrisch“ hinzu. Der Grund sind exakt fünf aufgerissene Milchbecher, die er wie eine Balustrade vor sein Notebook gruppiert, sowie exakt fünf Tütchen Auszugszucker. Alle zehn Behälter werden in den Kaffeebecher geleert.
Das Handy klingelt. Sein Akku macht gleich die Mücke. Leute wie er haben normalerweise Blackberries und jammern nicht über Akklaufzeiten. Er redet von Lesungen und Illner und dass er auf dem Weg „in den Osten“ sei. Das lässt mich aufhorchen. Er lobt Fotostrecken, in denen er eine Erde, nein, eine Handvoll Erde in der Hand habe. Er bedankt sich für eine gelungene Produktion und warnt vor der Veröffentlichung unvorteilhafter Bilder. Eigen-PR scheint er zu beherrschen, wo es ihm berechenbar nützt. Höflich zu Lieschen Müller kann er nicht sein.
Langsam dämmert mir auch, woher ich dieses Gesicht kenne: Ich habe ihn bei Beckmann im Fernsehen gesehen. Die Realität ist enttäuschend. Er entbehrt hier im Unterschichtabteil jeder eloquenten Demut. Vielleicht wirkt die Umgebung auf ihn, wie Blattwerk auf ein Chamäleon. Vielleicht hat er die Anpassung längst perfektioniert. Später am Abend lese ich über sein nächstes Buchprojekt und bin ab da überzeugt, dass ich Zeugin einer Feldstudie im Selbstversuch wurde: „Die meisten Menschen wollen gut sein, sind es aber nicht. Wie kommt das eigentlich?“
Die Buchbranche scheint ihn momentan von Hotelzimmer zu Hotelzimmer zu hetzen. Die Pseudo-Intellektuellen haben schließlich seinen Marktwert entdeckt, ein Philosoph, der dem Volk aufs Maul schaut und auf die Finger. Ich schaue wiederum ihm auf die Finger und entdecke: Sein rechter Zeigefinger bewältigt die komplette Texteingabe. Der linke Zeigefinger wird lediglich zur Betätigung der Shift-Taste gebraucht. Wie kann man Bücher mit anderthalb Fingern schreiben? Meine ganze Bewunderung gilt dieser Technik. Meine ganze Bewunderung gilt am Ende deshalb Richard David Precht, dem ich kurz vor Ankunft seine halbvolle Apfelschorle klaue, nur um seine DNA in meiner Handtasche mit nach Hause nehmen zu können. Naja, eigentlich nur, damit ich darüber dann auch bloggen kann. Eine weitere Inszenierung in diesem Theater.
Samstag, 23. Mai 2009
Alte Blogger
Wie ich heute morgen aus der LVZ erfuhr, ist die älteste Bloggerin der Welt gestorben. Obwohl sie nicht an unserem Blog mitwirkte, sollte diese Mitteilung einen Eintrag wert sein. Die 97jährige Spanierin María Amelia López fing zu ihrem 95. Geburtstag am 23. Dezember 2006 an zu bloggen. “Mit den Geschichten aus ihrem wechselvollen Leben und ihren Ratschlägen an Jung und Alt begeisterte die Internet-Oma Leser auf den fünf Kontinenten.” Ähnlich wie unser Blog. Wir geben übrigens auch Ratschläge, wenn jemand Interesse hat.
Übrigens: Vögel singen unter verschärften Lebensbedingungen noch kunstvoller. Eine Studie an 29 Arten von Spottdrosseln hat das jetzt gezeigt.
Übrigens: Vögel singen unter verschärften Lebensbedingungen noch kunstvoller. Eine Studie an 29 Arten von Spottdrosseln hat das jetzt gezeigt.
Sonntag, 3. Mai 2009
Von Schweinen und Menschen
Es ist soweit: Die Schweinegrippe ist nun erstmalig auch bei Schweinen nachgewiesen worden. Interessant. Die kanadischen Schweine haben sich, Zeitungsberichten zufolge, bei ihrem aus Mexiko zurückgekehrten Bauern angesteckt.
In Deutschland scheinen die Menschen trotz einiger aufgetretener Fälle der Erkrankung ruhig zu bleiben. In Bochum allerdings sieht man in der U-Bahn vereinzelt feine ältere Damen, die sich ihr geblümtes Taschentüchlein vor Nase und Mund pressen und beunruhigt um sich blicken. Hat da gerade einer geniest?
In Deutschland scheinen die Menschen trotz einiger aufgetretener Fälle der Erkrankung ruhig zu bleiben. In Bochum allerdings sieht man in der U-Bahn vereinzelt feine ältere Damen, die sich ihr geblümtes Taschentüchlein vor Nase und Mund pressen und beunruhigt um sich blicken. Hat da gerade einer geniest?
Freitag, 23. Januar 2009
Levottomat 3
Ein schlauer, von uns allen bewunderter Mann hat einmal gesagt: “Weniger lesen - mehr fernsehen!” Wir halten uns an manchen Abenden daran, und genau wie alle Studenten, die sich zu ihrem Fernsehkonsum bekennen, schauen wir dann 3sat oder arte. Was nun unterscheidet diese Sender von den USF-Sendern? Ist das Programm wirklich bildender? Wir haben festgestellt: 3sat ist vor allem ein Sender, auf den man zu recht frühen Zeiten kostenlos Pornos schauen kann. Natürlich sind das keine herkömmlichen Pornos, sondern solche für Intellektuelle. Diese laufen dann unter solch kryptischen Titeln wie “Lust auf Sex”. Hinter diesem Film etwa verbirgt sich Folgendes: Jonna, eine junge erfolgreiche Designerin und Mutter hat ein Problem. Sie ist süchtig nach Sex. Diesen holt sie sich deshalb bei allem, was ihr über den Weg läuft. Klingt komplex, ist es auch. In etwa zwei Stunden wird dies nun vor dem verständnisvollen Zuschauer ausgebreitet, solange, bis der Ehemann davon erfährt und es zum dramatischen Showdown kommt. Zum Glück hat Jonna im Laufe des Films zufällig eine Sexualtherapeutin kennengelernt, die ihr aus dem Sumpf heraushilft. Dies wird dann allerdings nur noch angedeutet, denn wer will so etwas schon sehen. In der darauf folgenden Vorschau für die nächsten Tage, ist eigentlich auch nur nacktes Fleisch zu sehen. Hochkarätige Schauspieler ziehen sich für einen guten Zweck aus. Sie weisen damit auf weit verbreitete gesellschaftliche Probleme wie eben Sexsucht oder dem Trieb zum Animalischen (natürlich auf sexueller Ebene) hin. Wir haben uns nach dieser Vorschau entschlossen, in Zukunft wieder mehr zu lesen und weniger fernzusehen. Und wenn schon, dann jedenfalls USF.
Donnerstag, 18. Dezember 2008
Oh du fröhlicher Schwarzacker!
Gestern war es wieder einmal soweit. Die jährliche Schwarzackerweihnachtsfeier fand statt, mit (Glüh-)Wein, Weib(-ern) und Gesang, und natürlich waren D. und nach langer Zeit auch wieder einmal M. anwesend. Es gab schöne und weniger schöne Geschenke: Wäschetrockner, Fotos, Take-That-CDs (echt mal, S.!), Filme, Schmuck und vor allem Bücher. Hier ein Zitat aus einem Buch, das ich bekommen habe: “Wer Du spricht, hat kein Etwas zum Gegenstand. Denn wo Etwas ist, ist anderes Etwas, jedes Es grenzt an andere Es, Es ist nur dadurch, daß es an andere grenzt. Wo aber Du gesprochen wird, ist kein Etwas. Du grenzt nicht. Wer du spricht, hat kein Etwas, hat nichts. Aber er steht in der Beziehung.” Ich denke, wir werden in Zukunft öfter davon hören. Nach der Bescherung und unseren nahezu perfekten 4-stimmigen Weihnachtsgesängen, machten wir uns auf den Weg zum Eckchinesen. Zum Glück hatten wir das Restaurant um diese Zeit für uns allein. Zwischen Ente und Kokosmilch erzählte M. von der dicken Prinzessin, die an seinem Praktikumsplatz weilte, D. flirtete mit der Bedienung, während L. versuchte, den Ladenbesitzer zu überzeugen, ihr den dicken Buddha im Eingangsbereich zu verkaufen. S. versuchte ihren scharfen Salat an den Mann zu bringen, E. fragte sich, warum es im chinesischen Restaurant nur überbackene Früchte gäbe, die sie nicht mochte, einzig ich benahm mich einigermaßen ordentlich. Später am Abend gingen wir den langen Weg heim, nicht ohne uns einen Film mit einem alkoholkranken Auftragskiller zu leihen und diesen bis in die frühen Morgenstunden zusammen mit weiterem Glühwein zu uns zu nehmen.
Vorhin, als ich nach Hause kam, klopfte ich an das Zimmer meiner Mitbewohnerin, in welchem Licht brannte, sie aber augenscheinlich nicht da war. Ich öffnete die Tür und hatte eine interessante Begegnung mit einer langhaarigen, weißen, jungen Katze, die es hier sonst so nicht gibt. Inzwischen wurde das Rätsel um das Tier gelöst, doch dazu später mehr. Guten Abend!
Vorhin, als ich nach Hause kam, klopfte ich an das Zimmer meiner Mitbewohnerin, in welchem Licht brannte, sie aber augenscheinlich nicht da war. Ich öffnete die Tür und hatte eine interessante Begegnung mit einer langhaarigen, weißen, jungen Katze, die es hier sonst so nicht gibt. Inzwischen wurde das Rätsel um das Tier gelöst, doch dazu später mehr. Guten Abend!
Samstag, 6. Dezember 2008
Sie fanden auf Hawaii ihr Glück
Da sieht man mal, wozu so ein Studium gut ist! Während ich hier sitze und für mein Examen lerne (n sollte), finde ich zwischen den alten Aufzeichnungen aus dem Grundstudium eigene Poeterey. Muss das damals eine Langeweile im Seminar gewesen sein!
Besonders beliebt: Das Tiergedicht. Hier ein kleiner Auszug aus Kalte Winternacht im Zoo.
Es kräht der gelbe Rabe.
Er schwankt im bittren Wind.
Hier stirbt nun auch die Schabe,
Die Base von dem Rind.
Doch auch gesellschaftliche Themen aus dem alltägliche Leben werden bearbeitet, wie in Im Fliegerhorst.
Der Torsten soll nun zur Armee
Er ist schon alt genug.
Da schickte eine gute Fee
Ein Flugzeug für den Flug.
Denn Torsten darf zum Fliegerhorst
Und nicht zum Bodentrupp.
Er muss nicht laufen durch den Forst
Wie sein Cousin, der Jupp.
Und heureka, der erste Flug,
Der wird schon morgen sein.
Doch unser Torsten, der ist klug
Und packt `nen Fallschirm ein.
Da weiß man auch wieder, warum man Lehrer wird und sich nicht der Schriftstellerei widmet. Das geht nun so weiter und zieht sich über Seiten dahin. Manchmal geht ein Koautor ans Werk. Aber dann versagt meist das Versmaß. Ich bin eben doch am begabtesten:
Doch Weh-oh-weh
Der Frost bedrängt
Familie Reh
Im Schnee versenkt.
Aber nicht alles endet so traurig und so schließe ich diesen Blogeintrag mit dem Happy End aus dem Versepos Der eitle Schein:
So kochte sie dann Tag und Nacht,
Hat Spiegelei um Ei gemacht
Und wurde immer fetter.
Doch nun auch wieder netter.
Der Mann, der kam zu ihr zurück,
Sie fanden auf Hawaii ihr Glück.
Besonders beliebt: Das Tiergedicht. Hier ein kleiner Auszug aus Kalte Winternacht im Zoo.
Es kräht der gelbe Rabe.
Er schwankt im bittren Wind.
Hier stirbt nun auch die Schabe,
Die Base von dem Rind.
Doch auch gesellschaftliche Themen aus dem alltägliche Leben werden bearbeitet, wie in Im Fliegerhorst.
Der Torsten soll nun zur Armee
Er ist schon alt genug.
Da schickte eine gute Fee
Ein Flugzeug für den Flug.
Denn Torsten darf zum Fliegerhorst
Und nicht zum Bodentrupp.
Er muss nicht laufen durch den Forst
Wie sein Cousin, der Jupp.
Und heureka, der erste Flug,
Der wird schon morgen sein.
Doch unser Torsten, der ist klug
Und packt `nen Fallschirm ein.
Da weiß man auch wieder, warum man Lehrer wird und sich nicht der Schriftstellerei widmet. Das geht nun so weiter und zieht sich über Seiten dahin. Manchmal geht ein Koautor ans Werk. Aber dann versagt meist das Versmaß. Ich bin eben doch am begabtesten:
Doch Weh-oh-weh
Der Frost bedrängt
Familie Reh
Im Schnee versenkt.
Aber nicht alles endet so traurig und so schließe ich diesen Blogeintrag mit dem Happy End aus dem Versepos Der eitle Schein:
So kochte sie dann Tag und Nacht,
Hat Spiegelei um Ei gemacht
Und wurde immer fetter.
Doch nun auch wieder netter.
Der Mann, der kam zu ihr zurück,
Sie fanden auf Hawaii ihr Glück.
Freitag, 21. November 2008
Während ich lernte...
Man liest von "Mnemotechniken" und fragt sich, woher dieses für den deutschen Muttersprachler kaum auszusprechende Wort eigentlich kommt. Laut Wikipedia handelt es sich um ein Kunstwort. Aha. Es erinnert auch an eine kürzlich neu kreierte Abkürzung einer auf dem Schwarzacker wohnenden Person, die sich plötzlich nicht erklären konnte, warum wir von DaF sprechen, obwohl das doch "Deutsch für Ausländer" heißt. Es heißt natürlich "Deutsch als Fremdsprache" und deshalb nicht "DfA", was eben auch nicht so leicht zu artikulieren wäre. Da lese ich "taf" innerhalb eines französischen Satzes und kann dem keine Bedeutung zuordnen. Dank einer kurzen Recherche, finde ich heraus, dass es sich auch hier um eine Abkürzung handelt, ein sehr beliebtes Wortbildungsmittel im Französischen. Es steht für "travail à faire" und impliziert offensichtlich, dass es sich um keine besonders schöne Arbeit handelt. Ich denke an meine "taf", aber mir fallen noch Wörter ein wie "Schablone" oder "Habicht". Wörter, bei denen man sich fragen muss, wie sie jemals ein Mensch über die Lippen bekommen konnte, ohne spätestens beim dritten Mal in Lachen auszubrechen. Während ich lachte...
Freitag, 7. November 2008
Lob des Mannes...
... sollte eigentlich mein nächster Artikel heißen. Darin wollte ich auf die Äußerung eines Lesers bezugnehmen, welcher meinte, die ganze Sache (siehe “Cybersex?”) und unsere Einstellung dazu wäre doch sehr traurig, und ein paar Dinge anführen, die mir zum Thema “Lob des Mannes” einfallen. Da aber E. in ihrer ergreifenden Rede über die Vorzüge der Männer, sich nun schon dazu äußerte, werde ich darauf verzichten. Vielleicht nur soviel: Männer beherrschen das Spiel “Prince of Persia I” bei weitem besser als Frauen (zumindest waren mein Vater und mein Bruder immer besser als ich).
Da mir mein Thema nun genommen ist, berichte ich über ein spannendes Experiment, das ich in dieser Woche vollzogen habe. In einem Drogeriemarkt fand ich das Produkt “Silver Shine Shampoo” von einer aus datenschutzrechtlichen Gründen hier nicht genannten Firma. Nach eigenen Angaben wäscht dieses den Gelbstich aus den Haaren. Interessant, dachte ich mir, schauen wir doch mal, was passiert, wenn man es auf blondes Haar anwendet (empfohlen war es für blondiertes oder graues Haar, obwohl ich weder das eine noch das andere habe, wagte ich den Versuch). Nun, nach mehrmaligem Waschen kann ich sagen: dieses Shampoo hat nicht nur einen minimalen Effekt, nein, es zeigt überhaupt keine Wirkung. Ehrlich gesagt, war ich darüber erleichtert, denn wer will schon graue Haare haben. Trotzdem frage ich mich, was diese Haarwäsche bei Leuten anrichten mag, die auf den Silver-Shine gehofft hatten. Trauer, Wehmut, wahrscheinlich Selbstmordgedanken. Beim genaueren Untersuchen der Flasche, fand ich folgenden Satz: “Eine Anfärbung von Haar ist ausgeschlossen.” Wozu ist dieses Shampoo dann bitte da? Überzeugen kann es einzig durch seine satt-dunkelviolette Farbe, und da kann man schon froh sein, dass diese nicht abfärbt. Denn wir alle kennen doch eine dieser älteren Damen mit den misslungenen Grautönungen, die auf ihren Köpfen ein Feuerwerk aus violetten Reflexen angerichtet haben. Bei mir war es damals in der Grundschule die Hortnerin, über deren lila Haare wir alle lachten...
Dieser Artikel entstand im Auftrag der Stiftung Warentest. Das Produkt bekommt ein “ausreichend”, 3,7, und das auch nur, weil es so herrlich violett ist.
Da mir mein Thema nun genommen ist, berichte ich über ein spannendes Experiment, das ich in dieser Woche vollzogen habe. In einem Drogeriemarkt fand ich das Produkt “Silver Shine Shampoo” von einer aus datenschutzrechtlichen Gründen hier nicht genannten Firma. Nach eigenen Angaben wäscht dieses den Gelbstich aus den Haaren. Interessant, dachte ich mir, schauen wir doch mal, was passiert, wenn man es auf blondes Haar anwendet (empfohlen war es für blondiertes oder graues Haar, obwohl ich weder das eine noch das andere habe, wagte ich den Versuch). Nun, nach mehrmaligem Waschen kann ich sagen: dieses Shampoo hat nicht nur einen minimalen Effekt, nein, es zeigt überhaupt keine Wirkung. Ehrlich gesagt, war ich darüber erleichtert, denn wer will schon graue Haare haben. Trotzdem frage ich mich, was diese Haarwäsche bei Leuten anrichten mag, die auf den Silver-Shine gehofft hatten. Trauer, Wehmut, wahrscheinlich Selbstmordgedanken. Beim genaueren Untersuchen der Flasche, fand ich folgenden Satz: “Eine Anfärbung von Haar ist ausgeschlossen.” Wozu ist dieses Shampoo dann bitte da? Überzeugen kann es einzig durch seine satt-dunkelviolette Farbe, und da kann man schon froh sein, dass diese nicht abfärbt. Denn wir alle kennen doch eine dieser älteren Damen mit den misslungenen Grautönungen, die auf ihren Köpfen ein Feuerwerk aus violetten Reflexen angerichtet haben. Bei mir war es damals in der Grundschule die Hortnerin, über deren lila Haare wir alle lachten...
Dieser Artikel entstand im Auftrag der Stiftung Warentest. Das Produkt bekommt ein “ausreichend”, 3,7, und das auch nur, weil es so herrlich violett ist.
Mittwoch, 5. November 2008
Cybersex?
Und wieder einmal schreibe ich auf Grundlage eines LVZ-Artikels aus der Wochenendbeilage. Mit vielen Menschen wurde dieser bisher diskutiert und dabei kristallisierte sich folgende Erkenntnis heraus: Frauen denken viel praktischer als Männer. Inhalt des Artikels war etwa folgender: wenn eine Frau sich dafür entscheiden müsste, mehr Zeit mit ihrem Partner oder mit ihrem Rechner zu verbringen, würde sich nur eine von fünf Frauen für den Mann entscheiden. Schockierend, möchte man meinen, aber nachdem wir dies in einer Frauenrunde ausdiskutiert hatten, fanden zumindest vier von fünf Frauen dies sehr plausibel. Und damit liegt der Schwarzacker und Freundeskreis wieder mal total im Trend, hurra. Also:
1.) Der Rechner ist nötig, damit ich mein Studium schaffe, ein Mann wohl kaum.
2.) Durch einen Computer ist viel weiter gefächerte Kommunikation möglich, als mit nur einem Partner.
3.) Meinen Laptop kann ich jederzeit umtauschen und mir einen neuen auswählen, ohne ihm das kleine sensible Cyberherz zu brechen.
4.) Zu einem Rechner baut man im seltensten Fall eine emotionale Beziehung auf, und so muss man sich auch nicht dauernd mit seinen Problemen beschäftigen.
5.) Computer jammern nicht rum, wenn sie krank sind.
Zugegeben, Männer haben auch den einen oder anderen Vorteil, aber dies ist nicht Gegenstand dieses Artikels. Fazit der Frauen: die Entscheidung fällt schwer, aber Rechner sind einfach praktischer. Am besten wäre jedoch beides, und da so eine Entscheidung eh niemals von uns gefordert werden wird, ist es Schwachsinn, darüber nachzudenken.
Nun noch ein paar Sätze zu den Männern. Nach einer repräsentativen Umfrage, die ich unter fünf Männern durchführte, würden fünf von fünf Männern auf ihren Rechner zugunsten einer Frau verzichten. Den Grund können wir uns alle denken. Trotzdem: Chapeau, Männer!
1.) Der Rechner ist nötig, damit ich mein Studium schaffe, ein Mann wohl kaum.
2.) Durch einen Computer ist viel weiter gefächerte Kommunikation möglich, als mit nur einem Partner.
3.) Meinen Laptop kann ich jederzeit umtauschen und mir einen neuen auswählen, ohne ihm das kleine sensible Cyberherz zu brechen.
4.) Zu einem Rechner baut man im seltensten Fall eine emotionale Beziehung auf, und so muss man sich auch nicht dauernd mit seinen Problemen beschäftigen.
5.) Computer jammern nicht rum, wenn sie krank sind.
Zugegeben, Männer haben auch den einen oder anderen Vorteil, aber dies ist nicht Gegenstand dieses Artikels. Fazit der Frauen: die Entscheidung fällt schwer, aber Rechner sind einfach praktischer. Am besten wäre jedoch beides, und da so eine Entscheidung eh niemals von uns gefordert werden wird, ist es Schwachsinn, darüber nachzudenken.
Nun noch ein paar Sätze zu den Männern. Nach einer repräsentativen Umfrage, die ich unter fünf Männern durchführte, würden fünf von fünf Männern auf ihren Rechner zugunsten einer Frau verzichten. Den Grund können wir uns alle denken. Trotzdem: Chapeau, Männer!
Mittwoch, 20. August 2008
Zwischen Volksverdummung und Intellekt
Einst lebte auch ich auf diesem idyllischen, viel zitierten Fleckchen Erde - dem Schwarzacker. Nun, tief im Westen, muss ich ohnmächtig mit ansehen, wie Niveau und Moral immer weiter sinken. Die einstige Oase für intellektuelles Denken weicht dem USF, die Tiefgründigkeit der Gespräche scheint sich dem anzupassen. Anstatt der Dekadenz unserer Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, wird sie kultiviert. Doch noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben. Es mag nur ein vorübergehender Zustand sein, der der Überlastung durch Universität, drohende Examina u. ä. geschuldet ist. Lektüreschäden verschiedenster Art wollen schließlich kompensiert sein. Davon bleiben auch geachtete Professoren nicht verschont. Nehmen wir Frau Prof. Dr. U. F. als Beispiel. Sie beschäftigte sich so eingehend mit Flaubert und Proust, dass ein Ausgleich durch die beinahe pornographische Filmkunst à la Breillat (sadoerotische Elemente!) erforderlich war. Auch Mutter ist sie zwischenzeitlich geworden. Ekelhaft.
Freitag, 18. Juli 2008
Mann von Eiswürfeln verletzt
Ein beträchtlicher Teil meines persönlichen Lektüreschadens resultiert aus unserem Studenten-LVZ-Abo. Ja, ich lese die LVZ, wendet euch von mir ab. Ich weiß, dass ich, wie jeder Student, der auf seine Bildung bedacht ist, die FAZ oder zumindest die Süddeutsche Zeitung lesen sollte, aber die LVZ ist einfach günstiger. Und dazu bisweilen höchst amüsant. Heute z.B. gab es unter “Lokales” einen Artikel, der die oben stehende Überschrift trug. Natürlich interessiert Solches. “Ein 29-jähriger Fußgänger ist im Leipziger Norden von einem Eiswürfel getroffen worden...”, so beginnt der Beitrag. “Nach ersten Ermittlungen zur Herkunft des unbekannten Flugobjektes konnte Polizeisprecher Andreas Loepki berichten...” und so weiter. Toll geschrieben, leicht verständlich, bildlich. Ich möchte das Ende dieser verzwickten Geschichte erfahren, auch wenn ich dann zu spät in die Uni komme. “Vermutlich habe ein Hausbewohner das Eis einfach aus dem Fenster geworfen.” Ernüchternd. Aus der Geschichte hätte man doch mehr machen können. Naja, die erste Vorlesung hat jetzt eh angefangen, ich blättere weiter. “Haben junge Leute heutzutage noch Helden, denen sie nacheifern und die sie bewundern? [...] Unter den über 3700 teilnehmenden Jugendlichen aus Deutschland ist Superman demnach die Nummer Eins der Helden, gefolgt von Gott, Brad Pitt und Harry Potter. Auf den weiteren Rängen finden sich Homer Simpson...” Ein nationaler Lektüreschaden. Da bleibt einem das Lachen schon fast im Hals stecken. “Die größten Heldinnen der deutschen Frauen sind Angela Merkel und Pippi Langstrumpf.” Ok, Pippi finden wir alle toll und Frau Merkel, würde ich zwar nicht unbedingt als Heldin bezeichnen, aber Superheldinnen sind, wie der Artikel weiß, rar. In den USA ist das Ranking etwas anders. “Jesus Christus und Gott werden dort am häufigsten als Helden genannt, jedoch dicht gefolgt von Spiderman, Martin Luther King und Jackie Chan.” Einen Kommentar dazu schenke ich mir. Nachdem ich die restlichen Schlagzeilen überflogen habe, die darüber informieren, dass die Stadtwerke ihre Preise erhöhen und regelmäßiger Sex vor Impotenz schützt, beschließe ich, dass ich für heute genug Zeitung gelesen habe.
Donnerstag, 10. Juli 2008
Aus gegebenen Anlass...
Korrekte Sprache ist, wie in früheren Einträgen bereits festgestellt, keine leichte Sache. Das gilt auch für öffentliche Aushänge. Einer sehr schönen Stilblüte begegnete ich beim Einzug in dieses Haus. Denn neben der Tatsache, dass hier “der Akkusativ den Dativ sein Tod ist”, wird selbst der Unrat anthropomorphisiert (dem ist natürlich eine gewisse sprachliche Kreativität nicht abzusprechen!). Man bittet darum, den “Müll artgerecht zu entsorgen”, und dies nicht ohne Grund, nein, sondern “aus gegebenen Anlass”. Dass dieser nicht näher erläutert wird, ist klar. Aber eine schöne Floskel an richtiger Stelle hat bis jetzt noch immer Respekt verschafft. Und weil er so schön ist, wird dieser Satzbeginn bei jedem Aushang hier im Haus als Auftakt gewählt.
Montag, 7. Juli 2008
Mittwoch, 2. Juli 2008
„Neun plus neun plus eins gleich elf“
J. ist eine prototypische Sieben. C. repräsentiert die Acht. A. ist sich recht sicher, eine Sechs zu sein. K. hat starke Kennzeichen einer Fünf. Die Zwei scheint in R. deutlich hervorzutreten. Dreien gibt es offensichtlich nicht so oft in unserem Bekanntenkreis. Und wenn S. keine Vier ist, dann weiß ich auch nicht.
Wenn man nicht aufpasst, redet man nach der Lektüre eines gewissen Buches nur noch in Zahlen (ein echter Lektüreschaden). Manche können nicht mitreden, weil sie es nicht gelesen haben. Manche reden mit, obwohl sie es nicht gelesen haben. Andere können gar nicht mehr aufhören, davon zu reden, seitdem sie es gelesen haben.
Wenn man nicht aufpasst, redet man nach der Lektüre eines gewissen Buches nur noch in Zahlen (ein echter Lektüreschaden). Manche können nicht mitreden, weil sie es nicht gelesen haben. Manche reden mit, obwohl sie es nicht gelesen haben. Andere können gar nicht mehr aufhören, davon zu reden, seitdem sie es gelesen haben.
Das Schlimmste aber ist der Moment, in dem man herausfindet, welche Typen die eigenen Mitbewohner sind. Wochenlang kann man sich darüber streiten. Man könnte. Das geht aber nur, wenn man mit den entsprechenden Typen zusammenwohnt. Als konfliktsuchende Eins kann das für E. ganz schön daneben gehen, wenn sie mit zwei konfliktscheuen Neunern zusammen in der Schwarzackerstraße 11 lebt. Gut, dass es Nachbarn gibt!
Dienstag, 1. Juli 2008
Schnipsellektüre wider den Schaden
Haben sie sich schon einmal geärgert, dass Ihnen eine geniale Formulierung abhanden gekommen ist? Haben Sie einen Zettelkasten zur Aufbewahrung rhetorischer Kleinodien, die Ihnen alltäglich begegnen? Eine zerknickte Pappkiste unterm Tisch oder zur besseren Ordnung ein edles Moleskine? Vielleicht reicht Ihnen auch ein Textdokument, das Sie von Zeit zu Zeit öffnen und ergänzen?
Fakt ist, man muss keine Germanistin sein, um eine Zitatesammlung zu besitzen. Sogar ein unvollendeter Volkswirtschaftler und Sportler wie Jens Lehmann weiß den richtigen Zettel zur richtigen Zeit zu schätzen. Wir erinnern uns an die ominöse Notiz der Elfmetergewohnheiten im Spiel gegen „ich hab’s vergessen.“ Aber die deutsche Elf hat gewonnen und das zählt. Am vergangenen Sonntag konnte Lehmann erneut kurz nach dem Endspiel der Europameisterschaft aus seiner Zettelbox das große Los ziehen. Darauf stand: „Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers“. Lehmann war an diesem Abend auf der Verliererseite. Im Interview konnte er die hochkomplexe Weisheit innerhalb weniger Minuten gleich zweimal zitieren und bei so manchem Zuschauer der Zielgruppe Verwirrung stiften. Ich werde Lukas mal ein E-Mail schreiben und ihn bitten seine Box zu erweitern. „Das Spiel war gut.“ und „Wir haben gut gespielt.“ – da kann er einfach nicht mit Jens mithalten.
Auch auf dem Schwarzacker werden Zettelboxen gefüllt: Unter der Rubrik WORTERSATZ steht beispielsweise die Anweisung: „Ersetze ‚primitiv‘ durch ‚unterkomplex‘“. In der Schachtel WENDUNGEN findet sich unter anderem: „hinhaltend Widerstand leisten“ oder „etwas beschreiben als handle es sich um eine Tätigkeit in der Vorhölle“. Bei den WORTJUWELEN habe ich die „Angstblüte“, das „Unterpfand“ und auch den „Lektüreschaden“ eingeordnet. Satzweise Zitate aus meiner Zeitungs- und Buchlektüre nehmen den größten Raum der Box ein. Sie alle warten auf Gelegenheiten, auf Momente, die der Rede wert sind.
Eine Empfehlung zum Schluss: Auf www.zeit.de den Suchbegriff „Wörterbericht“ eingeben und sich die wochenaktuelle Kolumne zu Kleinodien und Auswüchsen der Deutschen Sprache zu Gemüte führen. Sensibilisierung inbegriffen!
Fakt ist, man muss keine Germanistin sein, um eine Zitatesammlung zu besitzen. Sogar ein unvollendeter Volkswirtschaftler und Sportler wie Jens Lehmann weiß den richtigen Zettel zur richtigen Zeit zu schätzen. Wir erinnern uns an die ominöse Notiz der Elfmetergewohnheiten im Spiel gegen „ich hab’s vergessen.“ Aber die deutsche Elf hat gewonnen und das zählt. Am vergangenen Sonntag konnte Lehmann erneut kurz nach dem Endspiel der Europameisterschaft aus seiner Zettelbox das große Los ziehen. Darauf stand: „Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers“. Lehmann war an diesem Abend auf der Verliererseite. Im Interview konnte er die hochkomplexe Weisheit innerhalb weniger Minuten gleich zweimal zitieren und bei so manchem Zuschauer der Zielgruppe Verwirrung stiften. Ich werde Lukas mal ein E-Mail schreiben und ihn bitten seine Box zu erweitern. „Das Spiel war gut.“ und „Wir haben gut gespielt.“ – da kann er einfach nicht mit Jens mithalten.
Auch auf dem Schwarzacker werden Zettelboxen gefüllt: Unter der Rubrik WORTERSATZ steht beispielsweise die Anweisung: „Ersetze ‚primitiv‘ durch ‚unterkomplex‘“. In der Schachtel WENDUNGEN findet sich unter anderem: „hinhaltend Widerstand leisten“ oder „etwas beschreiben als handle es sich um eine Tätigkeit in der Vorhölle“. Bei den WORTJUWELEN habe ich die „Angstblüte“, das „Unterpfand“ und auch den „Lektüreschaden“ eingeordnet. Satzweise Zitate aus meiner Zeitungs- und Buchlektüre nehmen den größten Raum der Box ein. Sie alle warten auf Gelegenheiten, auf Momente, die der Rede wert sind.
Eine Empfehlung zum Schluss: Auf www.zeit.de den Suchbegriff „Wörterbericht“ eingeben und sich die wochenaktuelle Kolumne zu Kleinodien und Auswüchsen der Deutschen Sprache zu Gemüte führen. Sensibilisierung inbegriffen!
Donnerstag, 26. Juni 2008
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