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Dienstag, 12. April 2011

Entwaffnende Logik

Das Leben ist so einfach, wenn man Schülertexten glauben darf. Aus alltäglichen Vorkommnissen werden logische Schlussfolgerungen gezogen, dass es eine wahre Freude ist und ein Fünkchen Hoffnung für eine verloren geglaubte Generation aufkeimt.
So können wir in einem fiktiven Tagebucheintrag folgendes lesen:

"Als ich dann gesagt bekommen habe das mich ein Mann namens Ehrenfried Walter von Tschirnhaus beaufsichtigen sollte, dacht ich mir schon, dass ich mit ihm versuchen sollte weißes Gold herzustellen."

Klar. Was sonst.

"Als er mir verriet, dass er Naturforscher und Physiker ist bestätigte sich meine Frage von allein."

Ich bin erleichtert.

Sonntag, 3. Mai 2009

Von Schweinen und Menschen

Es ist soweit: Die Schweinegrippe ist nun erstmalig auch bei Schweinen nachgewiesen worden. Interessant. Die kanadischen Schweine haben sich, Zeitungsberichten zufolge, bei ihrem aus Mexiko zurückgekehrten Bauern angesteckt.
In Deutschland scheinen die Menschen trotz einiger aufgetretener Fälle der Erkrankung ruhig zu bleiben. In Bochum allerdings sieht man in der U-Bahn vereinzelt feine ältere Damen, die sich ihr geblümtes Taschentüchlein vor Nase und Mund pressen und beunruhigt um sich blicken. Hat da gerade einer geniest?

Donnerstag, 30. April 2009

Kulturreflexion

Ich bin froh, dass mir meine postabiturielle Erfahrung der französischen Interkulturalität manche Überraschung im Ruhrgebiet erspart hat. Der innerdeutsche Kulturschock war marginal, den Ausländer-, pardon, Migrantenanteil der Bevölkerung hatte ich erwartet, denn woanders ist das so hatte ich gelernt. Ostdeutschland unterscheidet sich in einigen Dingen vom Rest der Welt, eben auch darin. Tief im Westen Türken am Bahnhof, Russen in der U-Bahn, Italiener in der Supermarktschlange, asiatische Läden mit den vielen Gewürzen, der Türke mit dem frischen Gemüse an der Ecke, der alte Marrokaner mit der Wasserpfeife auf der Bank in der Einkaufsstraße, Frauen mit Kopftuch, Frauen ohne und mit Tanga... Manchmal scheint diese Welt absurd, nicht funktionsfähig, zu problematisch. Wo leben wir eigentlich, was daran ist deutsch? Alles? Oder nur die Schlange an der Frittenbude? Ist es wichtig, das zu definieren? Zu viele Fragen, zu ernster Artikel für dieses Blog.
Irgendwie gehört alles zusammen, bereitet Probleme, Unverständnis, aber auch Faszination. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich gern wüsste, warum das dunkelhäutige Mädchen in Deutschland lebt, wie sich der Alte mit der Wasserpfeife hier fühlt und wie es in seiner Heimat aussieht, ob die türkische Mutter unterdrückt wird oder glücklich ist, ob sie die Farben ihrer Heimat und die Sonne vermissen, ob sie die Deutschen mögen...
Ich weiß, wenn ich wieder in Sachsen leben sollte, werde ich das alles vermissen, werde vergeblich frisches Fladenbrot in kleinen nach der weiten Welt duftenden Läden suchen und Kartoffeln essen.

Mittwoch, 11. März 2009

Amok

Wir leben in einer gefährlichen Welt. Jüngste Ereignisse lassen vor allem die angehenden Lehrer unter uns ihre Todesursache immer deutlicher vor sich sehen: Tod durch Amokschützen. Die Fälle häufen sich. Selbst Kleinstädte in der ost- und westdeutschen Provinz bleiben davon nicht verschont. Man fragt sich, wieso gerade Lehrer, die selbstlos nur das Beste für die ihnen anvertrauten jungen Menschen wollen, von selbigen hingerichtet werden. Ein Missverständnis? Dann sei ihnen gesagt: Wir (die Lehrer) sind nicht schuld an eurem Versagen, ein bisschen Verantwortung tragt ihr auch selbst für euer Leben, auch wenn ihr es nicht glauben wollt. Und vielleicht haben wir versäumt euch das mitzugeben? Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass ihr wieder nicht zugehört habt...

P.S.: Wenn wir einem von euch helfen können, schreibt uns.

Montag, 9. Februar 2009

Nachdenken über L.-B.

Man bildet sich ein, man wäre informiert über die Ereignisse auf dem Schwarzacker. Man verfolgt den, ach nein, das Blog. Regelmäßig erreichen einen die neuesten Frühstückskonversationen und Themen der täglichen Diskussion. Und doch, einiges bleibt mir verborgen. Vielleicht bin ich wirklich zu weit entfernt oder schon zu lange weg vom Schwarzacker.
Frage Nr. 1: Welche 5er-WG?
Nun, da ich nach intensivem Überlegen darauf gekommen bin, dass die 5er-WG, keine aus fünf Personen bestehende WG ist, sondern die WG in der Hausnummer 5, bin ich schon ein wenig beruhigter.
Doch noch drängender Frage 2: Wer ist der externe Sa.?
Mysteriös. Sascha, Sandmann, Sarkozy, Salomo, Samurai, Salz auf unserer Haut ...?
Wer weiß, aber vielleicht muss man auch nicht alles wissen. Leiden wir nicht schon genug unter der dauerhaften Ausstellung des Privaten und Intimen in unserer voyeuristischen Gesellschaft? Ach so, wir bloggen. Naja, aber wer liest das schon? Noch nicht mal Sa.

Donnerstag, 6. November 2008

Verzicht

Dieser Eintrag soll nicht noch einmal die Mann-oder-Computer-Thematik erörtern, sondern ihr vielmehr auf den Grund gehen. Der Ursprung des Problems liegt nämlich nicht im Abwägen von Vor- und Nachteilen beider Objekte, denn wie bereits erwähnt, wird sich kaum eine Frau jemals ernsthaft vor diese Entscheidung gestellt sehen. Die eigentliche Frage, die sich eine intelligente Frau stellt (und stellen muss), ist die folgende: 'Worauf bin ich zugunsten einer Beziehung mit einem Mann bereit zu verzichten?' oder 'Bin ich überhaupt bereit, auf irgendetwas zu verzichten?' Die Vorteile eines Mannes, vor allem die dauerhaft zur Verfügung stehenden Vorteile, die eine Beziehung bietet, sind hinlänglich bekannt. Auch dass diese teilweise von der Frau teuer bezahlt werden, ist kein Geheimnis. Der Computer ist also nur Sinnbild für all die konkreten oder abstrakten Dinge, für deren Verzicht sich eine Frau entscheidet, um mit einem oder dem Mann zusammen zu sein. Die Frage ist demnach in ihrer Grundstruktur viel offener, sie lautet: 'Rechtfertigt ein Mann Verzicht?'.
Eine emanzipierte Frau wird diese Frage mit einem entschiedenen NEIN beantworten. Damit sollte das Problem ein für alle Mal aus der Welt sein. Unter Umständen wird jedoch auch die emanzipierte Frau die Anschlussfrage stellen: 'Rechtfertigt dieser Mann Verzicht?'. Wird auch diese Frage verneint, ist die Entscheidung getroffen. Sollte sie wider Erwarten bejaht werden können, wird es wiederum eine Anschlussfrage geben: 'Rechtfertigt dieser Mann diesen Verzicht?'. Nun ist die Frau aus der Abstraktheit heraus an einem recht konkreten Punkt angekommen. Verzweifelt wird sie feststellen, dass sie die Frage nicht beantworten kann, und sich für ein klares JEIN entscheiden. Die Konsequenz ist der Typus "zerrissene Frau", die froh wäre, nur eine solch simple Frage wie 'Mann oder Computer?' beantworten zu müssen. Denn darauf hätte sie wenigstens eine Antwort. Oder?

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Bockwurst im Flur

Das Dilemma mit den Ms, eine heikle Sache, in der Tat. Ein Problem unserer Generation vielleicht sogar. Aber nur ein kleines von vielen. Denn wie uns allen im Prinzip bewusst ist, erwachsen uns Probleme, die Generationen vor uns nicht kannten. Wir stellen uns Fragen, die sich unsere Eltern wahrscheinlich nie zu stellen gewagt hätten. Denken wir zumindest, sonst würden wir uns heute für sie schämen. Und manchmal wissen wir aufgrund mangelnder Erfahrung nicht einmal, ob es sich tatsächlich um ein Problem handelt.
So ist es zum Bsp. mit der erst kürzlich auf dem Schwarzacker diskutierten Frage der "Bockwurst im Flur". Mir ist entfallen, wer dieses glorreiche Zitat prägte, aber es war ein erfahrener Mann, ein Kenner der Frauen und ihrer anatomischen Spezifika in verschiedenen Phasen des Lebens. Was also, wenn er recht hätte? Welche Konsequenzen hätte das für uns? Sollte man darüber in einem Blogeintrag schreiben? Ich zweifle, aber wen soll man fragen? Welche stolzen und glücklichen Eltern würden uns ehrliche Auskunft über die Qualität des nachgeburtlichen Sex geben? Während ich mich also noch sträube, detaillierter auf das Thema einzugehen, komme ich insgeheim zu dem Schluss, dass wir davon wahrscheinlich nicht die Entscheidung für oder gegen Kinder abhängig machen würden und sollten. Und ist nicht überhaupt jede Frau auch anders? Und liegt es nicht letzten Endes sowieso immer daran, was der Mann daraus macht?
Warum also schlafende Hunde wecken? Vielleicht ist es besser, nicht zu viel zu wissen und es zu riskieren. Und wer weiß, vielleicht werden wir ja positiv überrascht. Und wenn nicht?

Freitag, 22. August 2008

Funny story?

Pisa hat doch recht. Jugendliche sind immer weniger in der Lage selbst einfache Texte zu verstehen. Hier ein Beispiel aus dem Alltag einer nicht namentlich genannten Gesamtschule im Westen des Landes:
Im Zuge der Behandlung des Themas "Großstadtlyrik" im Deutschunterricht der Klasse 10 wird, um die Schüler nicht gleich am Anfang der Reihe mit Expressionismus zu überfordern, das Grönemeyer-Lied "Bochum" behandelt. Das Lied wird gehört, die Schüler sind motiviert. Das kennen sie, einige können den Text, dank regelmäßiger Praxis im Fußballstadion, sogar auswendig. Als die Frage aufkommt, wer im Text spricht, kann die spontane Äußerung "Grönemeyer" vorsichtig auf das "lyrische Ich" verlagert werden. Dies gilt es nun etwas genauer zu fassen. Nach einigen Fehlversuchen gelingt einem Schüler die Antwort: "ein Bochumer". Die Lehrkraft strahlt. Aber nur so lange bis der nächste Schüler eine ernüchternde Äußerung macht: "Wieso? Versteh ich nich. Kann doch auch n Kölner oder n Düsseldorfer sein." Nur nicht entmutigen lassen, denkt sich die motivierte Lehrkraft, und schlägt vor, gemeinsam die Textstelle zu suchen, die die Aussage belegt. Mutig preschen ein paar SchülerInnen mit Zitaten vor. Dann findet sich schließlich die Zeile "Bochum, ich komm aus dir". Der Lehrkraft fällt ein Stein vom Herzen. Geht doch. Zufrieden und aufmunternd lächelt sie den Schüler an und sucht in seinem Gesicht nach Anzeichen des Verständisses und der Zustimmung. Fehlanzeige: "Versteh ich trotzdem nich, aber egal", ist alles, was er noch zu diesem Thema zu sagen hat.

Mittwoch, 20. August 2008

Zwischen Volksverdummung und Intellekt

Einst lebte auch ich auf diesem idyllischen, viel zitierten Fleckchen Erde - dem Schwarzacker. Nun, tief im Westen, muss ich ohnmächtig mit ansehen, wie Niveau und Moral immer weiter sinken. Die einstige Oase für intellektuelles Denken weicht dem USF, die Tiefgründigkeit der Gespräche scheint sich dem anzupassen. Anstatt der Dekadenz unserer Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, wird sie kultiviert. Doch noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben. Es mag nur ein vorübergehender Zustand sein, der der Überlastung durch Universität, drohende Examina u. ä. geschuldet ist. Lektüreschäden verschiedenster Art wollen schließlich kompensiert sein. Davon bleiben auch geachtete Professoren nicht verschont. Nehmen wir Frau Prof. Dr. U. F. als Beispiel. Sie beschäftigte sich so eingehend mit Flaubert und Proust, dass ein Ausgleich durch die beinahe pornographische Filmkunst à la Breillat (sadoerotische Elemente!) erforderlich war. Auch Mutter ist sie zwischenzeitlich geworden. Ekelhaft.