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Freitag, 6. November 2009

Geigenraten

Als engagierte Lehrerin, die ich derzeit manchmal noch bin, führte ich heute eine Umfrage im Deutschunterricht der fünften Klasse durch. Im Gegenzug zu Ruhe und Konzentration auch freitags in der letzten Stunde, gab ich den Kindern die Gelegenheit, realistische Wünsche an meinen Unterricht zu formulieren. Die Auswertung ergab Folgendes: während ein Schüler vorschlägt, ich sollte jeden sein eigenes Buch schreiben lassen, möchte ein anderer “Witze ärzahlen”. Jemand will öfter “mimik und gestik darstellen”, ein anderer möchte “Hinaus gehen und etwas Spielen oder einmal draussen Lehrnen”. Ein Kind meint, man sollte den Deutschunterricht eher nutzen, um “Comics [zu] Zeicchnen” und “Nicht so viel [zu] schreiben”. Einem nächsten scheint ein Gitterrätsel, das ich vor ein paar Wochen mitbrachte, gefallen zu haben, es möchte “In Gästchen Wörter suchen”. Ein Mädchen wünscht sich das allseits beliebte Spiel “Geigenraten”. Immerhin ein braver Schüler schreibt: “Der Deutschuntericht geffält mir so wie er ist”. Ich denke, ich werde mich zur Freude aller ab der nächsten Stunde verstärkt auf Orthographie konzentrieren.

Samstag, 10. Oktober 2009

Anagrammatische Doppelnamensgebung

Der Schwarzacker ist inzwischen geradezu entvölkert. Sogar der Traditionsbäcker hat lautlos seine Zelte abgebrochen (siehe Foto rechts). So bleibt mir nichts anderes übrig, als in der Mottenkiste meiner Erinnerungen nach einem zeitlosen Thema zu suchen:
Damals debattierten wir abendfüllend über die feministische Absurdität von Doppelnamen. Besonders ausdrucksstarke Kombinationen wurden kreiert, Namen von bekannten und fiktiven Personen kombiniert. Doppelnamen erfahren eine eigenartige Häufung in der Politik. Man denke nur an Däubler-Gmelin, Göring-Eckardt, Wieczorek-Zeul, Leutheusser-Schnarrenberger, Koch-Mehrin, Schröder-Köpf oder kleinere Lichterinnen wie Lösekrug-Möller, Dinges-Dierig, Dunger-Löper, Schnieber-Jastram, Junge-Reyer und so weiter. Nicht, dass ich die alle kenne.
Ich persönlich habe ein einfaches Kriterium festgelegt, für den Fall, dass ich mich im Laufe meines Lebens zu einer Eheschließung überreden lassen sollte: Für mich kommt ein Doppelname nur dann infrage, wenn er eine ausdrucksstarke Anagrammbildung zulässt. Zurzeit liebäugle ich ja mit einem Namenswechsel. Dann würde ich zwar hier auf dem Blog mein Pseudonym ändern müssen, aber mit dem Anagramm „Naja ehrlich Oma“ könnte ich gut leben. Ob ich es vorziehe, dass mir endlich mal „Joachim real nah“ kommt oder doch lieber „Majorca heil nah“ habe ich noch nicht letztgültig entschieden. Ich könnte den “Leichnam: J. O’Hara“ um Rat fragen.
Um in diesem Artikel auch den geneigten Lesern noch einen kleinen Anknüpfungspunkt zu bieten: Den „Schwarzackerblog“ halte ich für wenig heiratsfähig: Sein „Zwerchsack log bar“ während sein „Zweck arglos brach.“ Da ist nichts mehr zu machen.
Schönes Wochenende bei: anagramme.spieleck.de

Freitag, 22. Mai 2009

Ist ein Blog unsterblich!

Heute habe ich gelernt, dass man in MMORPGS nicht sterben kann, sondern unbegrenzt oft wiederbelebt wird. Dem Avatar sei dann eine Weile übel und er agiere etwas langsamer, doch die Kampffähigkeit sei nur von einem vorübergehenden Schwächezustand verringert. Sehr bald könne man sich zu neuen Levels, Accessoires und Reichspunkten aufmachen.
Der Schwarzackerblog hingegen geht seinem ersten Geburtstag auch ohne bedrohliche Kampfsituation in einem elementaren Schwächezustand entgegen. Dabei hatte es so vielversprechend angefangen. Eine grafische Darstellung soll den Verlauf übersichtlich visualisieren.


Mir ist gerade ein wenig mulmig im Magen, weil ich die Zick-Zack-Linie minutenlang angestarrt habe und sie mir dennoch ein Rätsel blieb. Die Extremwerte im Oktober und November sind nicht plausibel zu erklären. Doch Biographien sind heutzutage von Brüchen geprägt, Einschnitte sind nicht zwingend vorhersehbar. Immer wieder finden sich neu Formen, neue Rituale, neue Abschnittsgefährtinnen. Die Schwarzackerära in ihrer Ursprungsbesetzung geht inzwischen vorhersehbar ihrem Ende entgegen. Ein letztes Aufbäumen gegen diese dunkle Zukunft hielte ich für eine angemessene Reaktion. Ich rufe alle AutorInnen zur digitalen Reanimation auf: Sendet Balladen und Trauergesänge, stimmt Nostalgie-Hymnen und Lobhudeleien an, schwingt Büttenreden und erdenkt Meditationen. Der virtuelle Textraum ist nur noch wenige Wochen geöffnet und wird in diesem Rahmen noch in diesem Sommer für immer geschlossen werden. Kein Blog ist unsterblich, nur die Erinnerung kann uns niemand nehmen. *schluchz*

Sonntag, 8. März 2009

Kerze aus - Kerze an

Es wird zwar immer gemeckert, wenn zwei Einträge an einem Tag gepostet werden, aber am internationalen Frauentag, zu dem mir heute noch kein Mensch gratuliert hat, muss ich die Gelegenheit ergreifen, diesen Umstand anzuprangern. Zugegeben, M. ist entschuldigt, da er heute ausnahmsweise Geburtstag hat. Sein Präsentkorb erwartet ihn in seinem Zimmer, wenn er heute von Mutti nach Hause kommt. Ich bezweifle allerdings, dass er den Schwarzackerinnen an ihrem heutigen kollektiven Ehrentag ein adäquates Gegengeschenk machen wird. Er wird vielmehr geblendet von Doppelkeksen, Fleischsalat, Ketchup und Maggi-Toskana-Pulver sein Kerzchen ausblasen und die Tränen der Rührung aus den Augenwinkeln wischen. Wir haben uns den erlesenen Spaß immerhin 2,97 Euro kosten lassen. Für diesen geringen Betrag bekommt man heutzutage vermutlich auch ein bis drei langstielige Rosen, eine Schachtel russische Bitterpralinen oder ein Pfund Cappuccino-Pulver. Da wäre doch für jede etwas dabei. Ich mache mir dennoch keinerlei Hoffnung, dass außer Alice Schwarzer und mir noch jemand an den Frauentag denkt. C. und S. vollenden in diesen Minuten ihre Realitätsflucht per Trickfilmlektüre und L. hat bereits am Mittag beschlossen, dass sich ein Besuch des Schwarzackers heute nicht mehr lohnt. Ich fühle mich unterrepräsentiert und zurückgelassen. Ich werde nun eine Kerze anzünden für die Frauen dieser Welt.

Freitag, 2. Januar 2009

Abschluss, Familie? - Nee, ich will shoppen!

2009 ist gerade einmal zwei Tage alt und ich bin schon genervt. Die PPT-Präsentationen voller Neujahrs-Oden auf höchstem Kitschniveau verstopfen mein viel zu kleines WEB.de Postfach und ich frage mich, warum es auf dem Schwarzacker-Blog noch kein Prosit-Pop-up gibt. Lob an Blogspot an dieser Stelle.
Ich muss mir heimlich aufschreiben, wen ich in diesem Jahr schon gesehen habe, denn die Umgangsformen der ersten Januarwochen bestehen scheinbar darin, jeden, den man sieht ersteinmal zu umarmen, auch wenn man das dann für den Rest des Jahres nicht mehr tut. Hierzulande murmelt man sich dann über die Schulter ins Ohr: "Haja, wos da de halt su wünschst." - "Nu freilich, des wünsch ich de aah." Was man sich wünscht bleibt eines jeden Geheimnis, Hauptsache: Man wünscht sich was... Und Wünsche gehen ja meist auch nur in Erfüllung, wenn man sie keinem verrät. Manche haben aber dann doch Konkretes auf Lager: Mir wurde (wie schon im letzten und vorletzten Jahr) ein rasches und erfolgreiches Studienende gewünscht, parallel dazu auch eine rasche und andauernde Familiengründung. Ich nickte verständnisvoll ob der anmaßenden Projektionen meiner Nächsten und schloss diskret die Augen, um deren Verdrehung zu verbergen.
Im Moment wünschte ich nur, es wäre schon Donnerstag, denn dann geh ich mit meiner Ex-Schwiegermutter im Frankenland Klamöttchen kaufen! Welch banaler, durchschaubarer und unspektakulärer Wunsch... darauf wärt ihr doch nie gekommen!