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Dienstag, 23. September 2008

Zyklusberechnung: Tag 18 - und weiter?

Zyklen bestimmen auch das Leben in einer gemischt-geschlechtlichen WG. Einen wichtigen Zyklus gibt zum Beispiel der Putzplan vor. Geputzt wird bei uns immer an einem Tag zwischen Donnerstag und Dienstag. Schieben ist auch mal ausnahmsweise erlaubt, wenn einstimmig entschieden wird. Die Kärtchen für Küche/Bad/Flur wandern im Wochenrhythmus von S. zu E. zu M. und wieder zu S. Das Erinnerungs-Kärtchen für die Leerung des Staubsaugerbehälters verschwindet regelmäßig in selbigem. Die Bedienungsanleitung hat Dr. B. geklaut. Das Kärtchen für die Treppenhausreinigung ist nur noch ein Relikt aus alten Tagen - das machen jetzt externe niedriglohnempfangende Gebäudemanager.

Interessant ist, dass jede der drei WG-internen Putzen völlig ohne fremde Anleitung auch mehrere Nischenaufgaben für sich entdeckt hat:  S. putzt als Einzige den Badspiegel streifenfrei und sichert zuverlässig das Überleben der Balkonpflanzen. E. zeigt sich alleinverantwortlich für die Entkrümelung des Toasters und das regelmäßige Spülen der Herdknöpfe. M. ist exklusiver Papiermüll-entsorger und Geschirrtrockner. Wir sind organisiert. Wir arbeiten gabenorientiert.

Ein weiterer lebensstrukturierender Zyklus ist M.s Körperpflege. Einmal wöchentlich schließt er sich bei Kerzenschein mit Pearl Jam in sein gefliestes Heiligtum ein. Das rhythmische Quietschen des Auf-und-Zu-und-Auf-und-Zu des Wasserhahns zeigt zuverlässig den Wochentag an. Es ist Donnerstag - es ist Rasiertag.

Neuerdings ist mittwochs Vierzig-Grad-Schlüpfer-Waschtag. Auch die gute Candy arbeitet in Zyklen, denn M. besitzt nach eigenen Angaben nur siebzehn Schlüpfer und wenn er zum Beispiel am Sonntag für vierzehn Tage in ein Land ohne Waschmaschinen verreisen wollte, müssten mittwochs alle verfügbaren Unterhosen gewaschen werden, damit sie rechtzeitig trocknen könnten. Denn Donnerstag plus Freitag plus Samstag ist gleich drei. Vierzehn braucht er im Urlaub. Macht zusammen siebzehn. Ich frage mich, ob er am Waschtag-Mittwoch keine anzieht oder ob er sich verrechnet hat. Und wenn er wiederkommt, sollten die drei Daheimgebliebenen frisch gewaschen im Schrank liegen, damit das saubere Leben im Schritt nahtlos weitergehen kann?

M. ist ein berechnendes Wesen. Durch vorherige Berechnung erzielt er im Alltag Erfolgserlebnisse in regelmäßigen Abständen und schafft damit einen ganz besonderen Zyklus.

Mittwoch, 17. September 2008

Kommentar aus der Ferne

Erstaunlich, was nicht so alles auf dem Schwarzacker vor sich geht, wenn man mal paar Wochen außer Landes ist... Tststs, aber es bedarf eigentlich gar keiner Erklärungen, man kann sich erstaunlicherweise auch so ganz gut vorstellen, was bei euch vor sich geht :) Obwohl mich die Diskussionen zu dem Schwangerschaftspost bzw. dessen Entstehung schon sehr interessiert hätten. Aber das werde ich dann nächste Woche schon noch zu hören kriegen, hoffe ich.
Zunächst mal muss ich noch sagen, dass das Studentenleben erstaunlich unanstrengend ist, das ist zumindest mein vorübergehendes Fazit nach 3 Tagen harter körperlicher Arbeit - aber nicht ohne Konsequenzen, meine handwerklichen Fähigkeiten erweitern sich hier erheblich! Gut, oder!? Okay, man sollte an dieser Stelle ausblenden, wie viel und lange Nicht-Examens-Schreiber wie ich schon Urlaub hatten vorher - ich will mich ja auch gar nicht beschweren. Zugegeben ist es auch eine willkommene Abwechslung mal mit den Händen und nicht mit dem Kopf arbeiten zu müssen.
Dann wollte ich noch meiner Erleichterung darüber Ausdruck verleihen, dass es auch noch andere Schwarzackerbewohner zu geben scheint, die die Abstimmungen faken :) Das beruhigt doch glatt mein empfindsames Gewissen...
Ist es eigentlich gestattet den Schwarzackerblog auch von der Ferne zu füllen? Hm, wäre ja mal eine Abstimmung wert... Oder ich merke es dann einfach in den nächsten Tagen, wenn dieser Eintrag hier plötzlich gelöscht oder zensiert werden sollte... Nicht, das derartiges vorher schon vorgekommen sein sollte. Oder!?

Allen Prüfungsschreibenden weiterhin viel Erfolg und Freude am Lernen!

Mittwoch, 20. August 2008

gespaltene Arbeitsmoral?

Eine bewegte Zeit reißt den Schwarzacker hin und her: Prüfungen hier, Examen da, Abschlussarbeiten überall!
Überall? Naja, sagen wir mal: fast überall. Ein paar glückliche Schwarzackerbewohner treiben sich noch immer an verschiedenen Orten Deutschlands und Europas herum und genießen ihre wohlverdienten (!) Ferien: Siloah, Vogtland, London, Mallorca, Schweiz, usw
Beachtlich dabei ist allerdings mit anzusehen, dass die, welche eigentlich am meisten arbeiten sollten, oft auch die meiste Zeit nutzlos verbringen: da wird Dr. House geschaut, Schokolade gegessen, Kaffee getrunken und vieles mehr. Andere hingegen, die keinen Lernstress haben, sondern die wenigen Tage ihres sommerlichen Schwarzackerdaseins mit Hochzeitszeitung schreiben verbringen, scheinen wesentlich arbeitsamer und verabschieden sich stets als Erste vom gemeinsamen Essenstisch. Aber wir wollen uns mal nichts vormachen: Auch diese besagten Menschen haben zu Bestzeiten etwa 1/4 Staffel Scrubs an einem Tag geschafft - und das während der Prüfungszeit!
Es bleibt also zu sagen: Schwere geistige Arbeit muss kompensiert werden mit regelmäßigen weniger anspruchsvollen Tätigkeiten, hingegen können kreative Aufgaben scheinbar nonstop erledigt werden. Merkwürdige Theorie...

Samstag, 2. August 2008

Tausche Berg gegen Acker

Eine Woche Camping auf einem thüringischen Berg hat eine reinigende Wirkung auf den ganzheitlichen Menschen. Nein, ich bin nicht zu alt für Lagerfeuer, Gitarre und Singsang. Ich genoss das Schlafen unter freiem Himmel und ärgerte mich über mein äußerst lückenhaftes Sternbilderwissen. Morgens weckten mich die ersten Sonnenstrahlen oder auch mal ein dicker Regentropfen. Allabendlich gab es ein Käffchen oder ein Bierchen und spirituelle Begegnungen. [Hier ist gut Sein, lass uns Hütten bauen.]

Doch als ich gestern auf dem Heimweg mein Elternhaus betrat, weckte der Anblick des Computers (eine Woche) alte Erinnerungen: „Ach ja, es gibt ja noch diese Parallelwelt. Ich müsste mal wieder E-mails checken und nen Blogeintrag schreiben. Was ist wohl zu Hause auf dem Schwarzacker alles geschehen? Auch mein Handy könnte ich mal wieder einschalten.“

Die digitale Bilanz meiner drei Postfächer ist wie erwartet ernüchternd: eine Rundmail von Freunden aus dem Ausland, eine Notiz von meiner Chefin, eine verspätete Antwort von einer Schulfreundin. Ansonsten der gewohnte allwöchentliche Reigen diverser Pressespiegel, Stellenangebote und Newsletter. Bei zweieinhalb bis drei persönlichen Nachrichten in acht Tagen stelle ich mir ernsthaft die Frage, aus welchem Grund ich täglich mehrmals meine Postfächer öffne. Wie seit Jahren nach jedem Urlaub nehme ich mir auch diesmal fest vor, mein digitales Leben auf ein Minimum zu reduzieren. Natürlich bis auf den Schwarzackerblog. Der ist Pflicht und eigentlich macht es gerade wieder Spaß.

Freitag, 1. August 2008

Das Blogloch

Genauso, wie es jedes Jahr wieder in der Presse das sogenannte “Sommerloch” gibt, scheint es dies auch für das neuere Medium Blog zu geben. Eine Art Trägheit hat sich auf dem Schwarzacker breit gemacht. “Wer schreibt mal wieder einen Blogeintrag?”, hört man des öfteren. Die Antwort ist selten ein begeistertes “Ich mach das!”, nein, eher ein “Ist L. nicht mal wieder dran mit schreiben?” oder “Ich hab doch erst letzte Woche!”. Daran, dass Ideen fehlen, kann es eigentlich nicht liegen, denn wenn wir zusammensitzen fallen ständig die Worte “Dazu schreib ich `nen Blogeintrag.” Und Anlässe gibt es hier jeden Tag wirklich genug. Leider mangelt es dann, wie schon gesagt, an der Umsetzung. Ich selbst habe unlängst erst angekündigt, einen kleinen Artikel über die derzeit so beliebten “Lattewitze” zu schreiben. Ich denke, dass ich das noch mache...wenn ich Lust habe...und Zeit...und es nicht so warm ist...und die anderen auch mal wieder was geschrieben haben...Oder ich fahre baden.

Mittwoch, 23. Juli 2008

Lernzeit

Ich glaube, was bei uns allen einen bleibenden Lektüreschaden hinterlässt, ist die Universität. Insbesondere die geisteswissenschaftlichen Fächer forcieren diesen Woche für Woche. Das wird jeder bestätigen, der mal versucht hat, sich mit einem langzeitstudierenden Philologen zu unterhalten. Nahezu unmöglich. In unserer Kommune hat vor einiger Zeit die Vorbereitung auf unsere Abschlussprüfungen begonnen. Der Schaden, der durch diesen gehäuften Informationsaufbau entsteht, ist enorm. Während E. ausschließlich auf Griechisch konversiert und S. versucht, das eben gelernte Modell der Lernmotivation auf uns anzuwenden, kommt M. nach geschriebener Prüfung, für die er natürlich nicht gelernt hat, zufrieden nach Hause. Falls es noch nicht erwähnt wurde, M. ist Sportstudent. D., der Informatiker ist schon fertig mit lernen und in den Urlaub gefahren. L., die angehende Psychologin, lernt scheinbar zielstrebig. Sie sitzt hinter verschlossener Tür und spricht wenig über ihr Lernpensum, außer, wenn es darum geht, dass sie eigentlich schon alles gelernt hat, was sie für die Klausur in zwei Wochen braucht. Und ich sitze da und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich eigentlich auch lernen müsste. Stattdessen schreibe ich Blogeinträge...