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Donnerstag, 23. Juli 2009

Sex oder Religion – Grenzen der freien Entfaltung

Nachdem wir nun die Party ohne größere Personenschäden überstanden haben und C.s Tage auf dem Schwarzacker gezählt sind, ist hier eine seltsame Stimmung eingekehrt. Die letzten gemeinsamen Stunden erachten wir als so kostbar, dass wir einhellig beschließen, sie nicht mit dem kollektiven Konsum von USF zu verbringen. Wer jetzt aber hofft, der Schwarzacker sei endlich zu seinem Intellekt angemessenen abendlichen Diskussionsrunden bei Wein und Pfeife in der Küche versammelt, der irrt. Wir haben lediglich das Fernsehprogramm gewechselt und USF gegen gesellschaftskritische Reportagen getauscht – der größtmögliche Kompromiss der examinierten Weiber. Thematisch bilden wir uns zunächst zur Problematik der Winterhoffschen Tyrannen-Kinder weiter. Wir lernen, dass es intuitiv richtig ist, Nudeln auf der blanken Tischplatte auszubreiten, für den Fall, dass die Töchter sich weigern, den Tisch zu decken. Ein Vater im Film fragt sich, ob es denn gut sei, Kindern Grenzen zu setzen und sie durch Erziehung in ihrer Entfaltung einzuengen – zum großen Unglück ist er von Beruf Psychiater. Ein drittes Elternpaar lebt zwar getrennt, teilt aber die Meinung, dass das Töchterchen ruhig bei allen Kerlen der Welt übernachten darf, weil „offn un ährlüsch is rischdisch!“ Stillschweigend teilen wir den Gedanken an unsere behütete fromme Kindheit und Jugend.
Das Bildnis einer gefallenen Welt gewinnt an Plastizität durch die darauffolgende Sendung zum Pornokonsum von 10-14-Jährigen. Wenigstens entfährt einer 13-jährigen, die nicht mehr zählen kann, mit wie vielen Jungs sie schon geschlafen hat, (auch, weil sie meistens betrunken fern gesehen hat, während sie „ihn machen“ ließ), sie bewundere die Mädchen, die sich bis 17 oder 18 mit ihrem „Ersten Mal“ Zeit lassen. Dass Keuschheit einem Bewunderung einbringt ist mir neu. Da hat Dr. Sommer wohl seine Strategie geändert. Ich hab aber auch schon lange nicht mehr Bravo gelesen.
Gleichzeitig befällt mich Panik: Wie soll ich ohne religiöse Indoktrination meine Kinder je davor bewahren, Pornographie süchtige Tyrannen zu werden? R. sagt, dass sich jede Generation an die ihr gestellten Herausforderungen anpassen könne. Aber wer weiß schon, was die Herausforderungen von Zehnjährigen in zehn Jahren sein werden? Ich muss mal darüber nachdenken, ob es angesichts der vielbeschworenen „Zeiten, die immer schlimmer werden“, nicht klug ist, wenn überhaupt, dann so bald wie möglich Kinder zu bekommen. Ich werd mal die 10-Jährigen von heute befragen, was man dazu alles benötigt.

Donnerstag, 19. März 2009

USF

Der Schwarzacker hat keinen Fernseher mehr. M., der edle Stifter dieses Gerätes, hat beschlossen, dass er in der Zeit, in der er bei sich zu Hause verweilt, auch einen Fernseher in seinem Zimmer braucht. Man kann das ja einerseits verstehen, da er aus dem Erzgebirge kommt, wo man scheinbar nichts anderes tun kann, als fernzusehen. Andererseits können wir ihn jetzt nicht mehr so gut leiden. Eigentlich ist es kein Verlust. Darüber sind wir uns alle einstimmig einig. Wir können uns nämlich auch anders beschäftigen. Jetzt haben wir wieder mehr Zeit, uns zu unterhalten und Brettspiele zu spielen. Zum Tatort laden wir uns einfach bei St?n?s ein. Unsere Serien ziehen wir sowieso aus dem Internet. Die US können wir auch beobachten, wenn wir ein Stück durch unser schönes Stadtviertel spazieren, und dabei kommt man noch an die frische Luft! Es gibt also keine Nachteile, wenn man auf den Fernseher verzichtet. Wir nehmen viel weniger Schrott auf und verblöden seitdem auch merklich weniger. Aber nein, das klingt alles viel zu gut für den Schwarzacker, es gibt hier dennoch keine heile Welt, denn wir haben das Problem auf unsere Weise gelöst. S. geht jetzt einfach immer zum Videoautomaten und holt schlechte Horrorfilme, in denen Teenager sich einfach so zum Spaß abstechen oder Ashton Kutcher intelligenzgemindert ist und komisch läuft. Aber Hauptsache kein USF mehr!

Sonntag, 8. März 2009

Filme...

...stehlen dem Schwarzacker manchmal ziemlich viel Zeit. Und trotzdem laufen sie immer wieder. Film schauen macht ja auch allen Spaß, verbindet, man kann dabei essen, einige können sogar dabei schlafen und das Schönste, man kann sich danach darüber unterhalten, aufregen, darin für eine Weile in Gedanken leben oder mit Zitaten daraus um sich schmeißen. So will S. jetzt seit Tagen unbedingt einen zackigen Hut, E. ist immer noch wütend auf die Mutter des kleinen Rambows und ich werde im Traum von wütenden Teenagern mit Fackeln verfolgt. D. will die Welt füttern, L. tanzt die Tänze ihrer Tangofilme heimlich im Bad nach und M. versucht sich durch seinen Filmkonsum einen intellektuellen Anstrich zu geben. Auch die meisten unserer Besucher schauen hin und wieder Filme. Während R. aus dem Westen uns mit abgründigen seelenlosen Killern oder Gefängnisinsassen vertraut machen will, vergleicht Se. aus Connewitz das Menschenbild des Filmes “300" mit dem aus “Plötzlich Prinzessin I”. Ohne Filmkonsum würde uns schon einiges fehlen, und es gäbe etliche Pointen weniger auf dem Acker.

Dienstag, 20. Januar 2009

„Revolutionary Road“ – eine Filmkritik

Kaum hatte ich die Trennung von Take That im zarten Alter von vierzehn überwunden, da kam das zweitgrößte Drama meiner Pubertät auf mich zugerollt und ins Kino: Titanic. Der Abschied von Kate und Leo an der geborstenen Tür, als seine gefrorene Hand ins tiefschwarze eisige Meer hinab taucht, unvergesslich, tragisch, doch ich hatte Hoffnung. Schließlich musste ich nur knapp zehn Jahre beten, bis Take That wieder zueinander fanden, heilsam, wenn auch ohne Robbie. Dass es bei Leo und Kate ein paar Monate länger dauern würde, leuchtete mir ein, schließlich war eine Frau im Spiel. Egal, ich ging ins Kino. Ich wollte sehen, wie die beiden sich weiterentwickelt haben. Und siehe da, welch Überraschung, der Mensch ist ein Widerholungswesen. Wieder geht es um Klassengesellschaften. Wieder sind die Rollenbilder klar konturiert, undurchlässig. Der Mann muss in der Lage sein, die Frau zu versorgen. Wieder gibt es einen Geschlechtsakt in einem stehenden Fahrzeug. Wieder trägt sie seine Leibesfrucht in sich - diesmal wissentlich. Wieder sind beide sich einig, sie könnten die gesellschaftlichen Regeln brechen und ausbrechen. Wieder müssen sie feststellen, dass sie einer narzisstischen Illusion erlegen sind. Wieder werden sie vom Schicksal überrascht. Wieder stirbt einer der beiden und der andere bleibt mit dem Nachwuchs zurück. Es gibt am Ende Rührei, es gibt nicht Neues in der Revolutionary Road. Kate und Leo haben in elf Jahren nicht viel gelernt. Ebenso wenig, wie die Musik von Take That in zehn Jahren besser geworden ist. Ich werde meine Gebetsanliegen überdenken.

Dienstag, 6. Januar 2009

Nackte Fremde - Eine Auswertung

Schon seit dem 24.12. ist unsere Umfrage zum Thema “Naked Man” beendet. Insgesamt haben 26 Leser abgestimmt, ich hoffe, niemand hat durch Tricks versucht, mehrfach zu antworten und so die Statistik zu verfälschen. Der Großteil unserer Blogleser scheint eher oberflächlich zu sein, so würden immerhin 15 von 26, also mehr als die Hälfte der Antworter ihre Entscheidung von der körperlichen Erscheinung der Person abhängig machen. Gibt es wirklich so wenig Menschen, die noch Wert auf Persönlichkeit legen? (An allen Antworten sind natürlich auch die Blogschreiber beteiligt, die immer grundehrlich abstimmen.) Zwischen den beiden Extremen, dem Geschlechtsverkehr (7) und dem Rausschmiss (9), herrscht fast Gleichstand, allerdings ist es beruhigend zu sehen, dass die Anzahl der entrüsteten, anständigen und traditionell orientierten Leser doch überwiegt. In besagter Serie kam es in 2 von 3 Fällen zum Geschlechtsverkehr - mit Garantie! Wir liegen also diesmal nicht im Trend - der deutsch-amerikanische Unterschied kommt hier voll zum Tragen. 6 Jungfrauen lesen unser Blog, aber genausoviele Dreier-Interessenten sind dabei. Schön ist es zu sehen, wie humorvoll ein Großteil der Abstimmer ist, immerhin die Hälfte würde angesichts der nackten Person in Gelächter ausbrechen.
Inwiefern man die Antworten als gültigen Schnitt sehen kann, bleibt zu bezweifeln, denn wer würde im tatsächlichen Fall schon so reagieren, wie er hier angab.

Freitag, 5. Dezember 2008

Multitasking am Donnerstag

Alldonnerstäglich, wenn die Mädels vom romanischen Choralsingen kommen, versammelt sich der halbe Schwarzacker auf eine letzte halbe Stunde Popstars zum total verblödeten Entspannen. Extensives Zapping vor während und nach den Werbepausen bringt uns ganz nebenbei in den Genuss sämtlicher Filmversatzstücke, die wir zu einem großen unlösbaren Puzzle in unserem kollektiven Filmgedächtnis zusammenzufügen versuchen. Und weil Multitasking bekanntermaßen urweiblich ist, lösen wir nebenbei das Eckstein-Rätsel, das wie gerufen auch jeden Donnerstag neu in der Post ist. Wenn dann alle Felder ausgefüllt sind, Sido noch immer nicht die Klappe hält und die Batterien der Fernbedienung auch auf festeres Drücken nicht mehr reagieren, lesen wir Kontaktanzeigen. Ein herausragendes viel- und nichtssagendes Exemplar dieser Woche möchten wir den Freundinnen des Schwarzackers nicht vorenthalten.

Eigentlich hatten wir schon spontan beschlossen, uns kollektiv darauf zu melden. Doch es kamen Zweifel auf, da S. auch noch Stunden später von der Vorstellung einer brennenden Eiche im Wohnzimmer verfolgt war. Was auch immer sie da mit ihrem kollektiven Unbewussten ausgehandelt hat, wir sind noch im Unklaren, was wir davon halten sollen...

Samstag, 29. November 2008

Freitag Abend oder wie Entspannungswille entstehen und wohin er führen kann.

Alles klappt wie am Schnürchen. Die Bahn, die mich gegen 21 Uhr von der Bibliothek zum Schwarzacker tragen soll, kommt im richtigen Moment. Ich denke daran, dass eine heiße Suppe jetzt schön wäre. Meine Mitbewohnerin dachte das wohl auch und so kann ich statt Fertigsuppe frische Bio-Gemüsesuppe genießen. Währenddessen überlegen wir, ob unser Zwischenmieter, der bereits gen Westen fuhr, nun tatsächlich geputzt hatte. Bis auf den Wasserhahn, der etwas mehr glänzt als zuvor, kann man davon allerhöchstens etwas ahnen. Na ja, ein Versuch war's wert.
Vorsichtig frage ich an, ob man nun heute noch etwas tun würde (für diverse Prüfungen). Ein ernst gemeinter Lachanfall drängt uns sogleich Richtung Fernseher. Den Millionär haben wir verpasst, Soko Leipzig läuft noch, eine alte Tatortfolge würde in einer Viertelstunde beginnen. Nicht wirklich zufrieden mit dieser vermeintlichen Abendgestaltung finden wir auf einer mehr oder weniger legalen Internetseite ein Meisterwerk der Filmgeschichte, das wir seit unserer frühen Jugend beinahe aus den Augen verloren hatten. Wir entscheiden uns für Teil 4 von mittlerweile 5 (unglaublich!!), auch wenn eine von uns den vorhergehenden noch nicht kennt. Keineswegs schlimm, denn die inhaltlichen Banalitäten sind in jedem Teil etwa gleich flach gespielt, trotz mittlerweile wechselnder Schauspieler, zumal von abwechslungsreichen Ideen der Filmemacher nicht die Rede sein kann. Man würde also ohne Probleme folgen können.
Wir finden einvenehmlich, dass uns dieses Amusement nach einer langen Bibliothekswoche wahrlich zusteht, ohne bis dahin zu wissen, was wir uns antun würden.
Im Nachhinein bin ich fast froh, dass der Player viel zu lange "buffern" musste, so dass es innerhalb von zwei Stunden lediglich möglich war, die ersten 45 Minuten zu sehen. Das war nun das Ergebnis von wochenlanger Vernachlässigung des USF, stattdessen wenig unterbrochener Wissensaneignung durch hochwissenschaftliche Buchlektüre. Wie kann man sonst erklären, dass "American Pie" in Bezug auf seinen Humor, sofern wir das so nennen können, einem noch viel abgeflachter vorkommt als je zuvor? Oder hatte man nur vergessen, wie sinnlos hier die Dialoge aneinandergereiht wurden und wie vorhersehbar das Ende der Geschichte schon nach den ersten beiden Minuten war? Rohmer würde sich im Grabe umdrehen. Bloß gut, dass es "ZEIT-Um-die-Ecke-Denkrätsel" gibt. Da kommt man ins Gespräch und kann die 15-Minuten-Unterbrechungen des Films vollständig statt nur zu 80 % darüber nachdenken, was Störtebecker wohl so zum Mittagessen aß. Verwirrt von diesem Kulturschock konnte ich nicht schlafen und las noch ein Buch aus der germanistischen Lektüreliste. Der Morgen danach: chronische Müdigkeit! Hoffen wir, dass sie nicht nur den Ereignissen des vorangegangenen Abends zu verschulden ist.

Mittwoch, 26. November 2008

The Naked Man

Dies ist ein Artikel, der ein Dating-Verhalten beschreibt, in der Hoffnung, E. stellt die passende Umfrage dazu auf das Blog, da ich nicht dazu in der Lage bin. Wie der Titel verrät, handelt es sich um die Strategie "Naked Man" und ich nehme die "Naked Woman" dazu. Erfunden wurde diese in unserer Lieblingsserie "HIMYM". Folgende Situation: Du hast ein erstes Date, nimmst den Mann/die Frau mit nach Hause, verlässt das Zimmer in dem ihr euch aufhaltet und als du zurückkommst ist der- bzw. diejenige nackt. Wie verhältst du dich? Die Statistik, die die Serie über den Erfolg der Strategie aufstellt, wird am Ende der Umfrage veröffentlicht, da sonst das Ergebnis eventuell verfälscht wird.

Dienstag, 30. September 2008

Münchhausen zum Monatsabschluss

Es ist ruhig geworden auf dem Schwarzacker. D. ist seit Wochen nicht auffindbar. Er pflegt vermutlich seinen nationalen Freundeskreis. L. und M. haben am Wochenende beide den Abflug in die jeweilige Heimat ihrer Importliebschaften gemacht.

M. friert sich im Baltikum den Arsch ab, aber er hat wenigstens den "Schlüpfer für gut" mitgenommen - wir haben seinen Schrank danach durchsucht. L. weilt auf Malle, wo sie ihren argentinischen Kellner genauer unter die Lupe nehmen will. Sie hat hoffentlich genug "Unterwäsche für gut" eingepackt.

Ich gebe mich als Drittel der Zurückgebliebenen After-Studium-Phantasien hin. Nicht einmal ein weiteres Tanz-Date hat sich ergeben und die meisten meiner Pärchenfreunde haben die Semesterpause genutzt, um zu heiraten oder zumindest Pärchenwohngemeinschaften zu gründen. Wieder ein paar Leute weniger, die man spontan auf ein Bier treffen kann. Der Kreis wird immer kleiner.

In der Not widmen wir uns nun ausnahmsweise der Betrachtung unserer eigenen Abgründe. Zu diesem Zweck hat "Name geändert" einen Urologen konsultiert, der sie prompt zu einer ballaststofffreien Diät zwingen wollte. "Name auch geändert" nahm einen Termin beim Psychologen wahr und sollte sich dringend um einen Therapieplatz für 180 Stunden Psychoanalyse bemühen. Mir scheint, wo ein Arzt, da auch eine Diagnose.

Doch noch bevor es zur Sache ging, hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. Nach Rücksprache mit den üblichen Verdächtigen hat "Name auch geändert" beruhigt feststellen können, dass sie Otto-Normal-Abgründe hat. Ebenso stellen die Standard-Verdauungsstörungen von "Name geändert" keinen Grund zur Beunruhigung dar.

Letztlich buhlen wir alle nur um ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Und die haben wir punktuell auch bekommen. Münchhausen eben.

Dienstag, 9. September 2008

Dialog über Grundbedürfnisse

8:00 - kurzer Flur-Trialog als wir uns die Badklinke in die Hand geben:

"Morgn." - "Morgn." - "Morgn."

12:00 - "Hast du schon Hunger?" - "Hm." - "Kochst du heute?" - "Keine Zeit zum Einkaufen" - "Wir könnten die Rest-Nudeln von gestern mit mehr Nudeln strecken." - "Hm." - "Ich schneid gleich mal Gemüse für zwei Salate, dann spar ich morgen die Zeit das Zeug zu schnippeln."

12:30 - "Ich ruf mal C. an, dass das Essen fertig ist." - "Wer braucht eine Teetasse?" - "Ich nicht." - "Ich will lieber eine Gabel als einen Löffel."

13:00 - "Die Rest-Nudeln können wir ja morgen essen und der Salat ist auch schon fertig." - "Abspülen?" - "Nach der Prüfung dann." - "Sind ja genug Tassen da." - "Hm, dann bis später." - "Ruft mal rüber, wenn ihr ne Pause macht."

16:00 - M. kocht sich bei Speed-Metal einen Kaffee. E. hat zu diesem Zeitpunkt bereits drei bis vier Tassen getrunken und geht für zwei Stunden zum Ausgleichs-Sportkurs. S. überlegt, ob ihr Kreislauf einen zweiten Cappuccino vertragen kann.

18:00 - "Hast du schon Hunger?" - "Wann gibt's Abendbrot?" - "Hab mein Lernziel noch nicht erreicht." - "Frag in ner Stunde nochmal." - "Ich brauch nichts." - "Ich lerne auf Lücke."

20:00 - Die Hungrigen toasten sich eilig alte Brotreste und setzen die Nudeln der Vortage Mikrowellen aus. Die eisernen Vorräte an Fertiggerichten schwinden.

22:00 - "Ich mach heut nichts mehr." - "Ne Folge House zur Entspannung?" - "Aber nur eine..."

Freitag, 29. August 2008

„Sie hat sich die Finger blutig gelesen.“

Täglich zwei bis x Folgen House M.D. hinterlassen ihre Spuren in meinem aktiven Wortschatz. Neulich habe ich unfreiwillig mit meiner Hausärztin über Kontraindikationen gefachsimpelt. Das ist mir so rausgerutscht, echt jetzt!
Seit gestern gibt es wieder Popstars. Diesmal „just 4 girls“. Sicher hat Sido das verbrochen, weil er was gegen mindestens 10% der Männer hat. So richtig sauschlecht war leider keine der Bewerberinnen, was wir sehr schade fanden. Dies wiederum hat zweifellos der Kinderschutzbund verbrochen, indem er eine Vorauswahl traf. Es wurde ja häufig moniert, zu viel Kritik ins Gesicht und vor laufender Kamera könne ein so junges Leben für immer zerstören. So einen Fall müsste House mal bekommen. Er würde nie darauf kommen, was die Kleine hat. Bevor es in Staffel 43 soweit ist, befasse ich mich mit Selbstdiagnosen: Mein Hormonhaushalt ist in letzter Zeit regelrecht aus den Fugen geraten. Das bringt mich zu der Frage, wie meine Hypophyse die häufig wechselnden visuellen Stimuli verkraftet? Ich bin fest davon überzeugt, dass Greg ganz andere Hirnregionen reizt als Detlef, von einem Waschbrettbauch ganz zu schweigen. Sicher wären die Auswirkungen auf einem MRT sichtbar. Aber wann bekommt man da schon mal einen Termin? Ich bin besorgt. Ein Ganzkörperscan würde mich beruhigen.
Ich fürchte so langsam konvergiert meine Medienkost zu einem dicken krustigen Klumpen unverdaulicher Substanzen. Hab ich mir jetzt die Augen wund geschaut, oder etwa die Finger blutig gelesen, wie es Legasthenie-Anja Sido versprochen hat, damit sie „drin bleiben“ darf? Wie lautet Ihre Diagnose, Dr. B.? Oder sind sie mal wieder mit Dr. V. einer Meinung, weil sie mit ihr ins Bett gehen?

“Wir freuen uns glücklich!”

Und das des Öfteren. Die einen freuen sich darüber, dass es etwas zu essen gibt, andere, dass endlich eine neue House-Folge im Internet hochgeladen wurde und manche von uns über beides. Im Fernsehen “freut” sich die gesuchte Schwiegertochter “glücklich” darüber, dass ein wirklich unansehnlicher Mann ihr einen Heiratsantrag gemacht hat. S. freut sich darüber, dass er so gut aussieht (vgl. “Ich bleib schon öfters mal vorm Spiegel hängen”, Artikel in Arbeit), St. freut sich auf Weihnachten, weil dann endlich die erste Etappe der Prüfungen geschafft ist. E. ist erfreut, dass auf der Straße ein Häufchen Hundekot aufrecht steht. L. und D. freuen sich auf ihren Urlaub, M. freut sich auf "de Haamit". Ich freue mich über Ablenkung aller Art. Aber es gibt hier durchaus auch Dinge, die uns Kummer machen. So ärgert sich E. über zu ausgeprägte Waschbrettbäuche bei Männern und über M. Dieser ärgert sich darüber, dass er das Klopapierangebot bei Aldi verpasst hat. Ich ärgere mich, dass die Schokolade schon wieder alle ist und D. die falsche Flüssigseife gekauft hat. St. ärgert sich, wenn ihre Tastatur ausfällt oder wenn “Französisch gekotzt” wird. L. ist verärgert, wenn man nicht bereit ist einzusehen, dass die Arbeit an einer Hochzeitszeitung mindestens genauso nervenaufreibend ist, wie die Vorbereitung auf ein Examen. Nur D. ist gelassen, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, und sieht dem verärgerten Treiben auf dem Schwarzacker zu, oder worüber ärgerst du dich, D.? (Antwort wird in Form eines Blogeintrags erwartet!)

Donnerstag, 28. August 2008

Hoffentlich kein Wegener!

Einige von uns sind, trotz ihrer Jugend, von mehr oder weniger schlimmen Krankheiten geschlagen. Über Diagnosen haben wir uns bisher wenig Gedanken gemacht: wenn man niest, wird es eine Erkältung sein, wenn man sich mit der Schere in den Finger schneidet, könnte es ein Schnitt sein, wenn man Ringe unter den Augen hat, ist man eventuell nur müde. Doch nun hat sich alles, durch das stete Aufnehmen diverser Arztsendungen, geändert. “Schau mal die Beule hier!” - “Ich glaube, das könnte Lupus sein. Such lieber mal einen Onkologen auf!” “Mein Kopf tut weh!” - “Hoffentlich ist es keine nekrotisierende Fasziitis! Mach vorsichthalber mal eine Lumbalpunktion, nicht dass es zu einer Enzephalitis oder einem Gangrän kommt.” “Wie fühlt sich eigentlich eine Zyste im Pankreas an? Ich glaube nämlich, dass ich eine habe.” - "Keine Ahnung, aber Hauptsache, es ist kein Wegener!” Ein aufmerksamer und medizinisch bewanderter Leser merkt natürlich, dass wir das System der Medizin noch nicht ganz durchschaut haben. Eigentlich haben wir keine Ahnung. Aber wir tun unser bestes.

Donnerstag, 21. August 2008

Endlich eine neue Umfrage hier.

Aber ich habe ein Problem. Ich kann mich für nichts entscheiden. Einerseits würde ich gern alles ankreuzen, andererseits trifft nichts wirklich zu.
Da ich ab und zu doch etwas für meine Prüfungen tue, weiß ich auch, warum das so ist: parasoziale Beziehungen. Das sind - für alle Nicht-(Hobby)-Psychologen oder Psychologienebenfächler - die "Beziehungen", die wir zu unseren LieblingsfernsehheldInnen haben. Laut einschlägigen Psychologiebüchern eignen sich besonders Figuren aus Serien. Ohne dass man sich viel Mühe geben muss funktionieren diese Beziehungen nämlich bestens, im Gegensatz zu realen Freundschaften, für die man aktiv zuhören muss, neben wechselseitigen Besuchen, endlosen Telefonaten, verzweifelt in letzter Sekunde gefundenen und dennoch unpassenden Geburtstagsgeschenken etc.
Auf dem Schwarzacker gibt es einige Mitglieder, die ihre parasozialen Beziehungen gerade wieder intensiver pflegen als die "normal-sozialen". Für Außenstehende ist das manchmal schwierig, da fiktive Figuren ständig in den Alltag eingebaut werden, diese aber nicht zwingend allen bekannt sind. Wir lernen nun aber sehr gern von unseren HeldInnen und zitieren sie daher ständig (siehe auch diverse Kommentare). Sarkasmus, Zynismus, Selbstbewusstsein, Autorität: sowas kommt gut an auf dem Schwarzacker. Das muss aber niemanden beunruhigen. Wir können noch zwischen Fakt und Fiktion unterscheiden. Meistens jedenfalls.
Dass die Abstimmung bei mir nicht funktioniert, könnte daran liegen, dass ich zwar so manchen Charakterzug meiner parasozialen Bezugspersonen bewundere, ihn aber weder habe, noch ihn im wirklichen Leben tatsächlich haben will, zumindest nicht in solchen Ausmaßen. (Oder?)
Jedenfalls scheinen wir so schnell von Lektüreschäden doch nicht wegzukommen.

PS: Und ja: ich schreibe gern längere Artikel!!!

Mittwoch, 20. August 2008

gespaltene Arbeitsmoral?

Eine bewegte Zeit reißt den Schwarzacker hin und her: Prüfungen hier, Examen da, Abschlussarbeiten überall!
Überall? Naja, sagen wir mal: fast überall. Ein paar glückliche Schwarzackerbewohner treiben sich noch immer an verschiedenen Orten Deutschlands und Europas herum und genießen ihre wohlverdienten (!) Ferien: Siloah, Vogtland, London, Mallorca, Schweiz, usw
Beachtlich dabei ist allerdings mit anzusehen, dass die, welche eigentlich am meisten arbeiten sollten, oft auch die meiste Zeit nutzlos verbringen: da wird Dr. House geschaut, Schokolade gegessen, Kaffee getrunken und vieles mehr. Andere hingegen, die keinen Lernstress haben, sondern die wenigen Tage ihres sommerlichen Schwarzackerdaseins mit Hochzeitszeitung schreiben verbringen, scheinen wesentlich arbeitsamer und verabschieden sich stets als Erste vom gemeinsamen Essenstisch. Aber wir wollen uns mal nichts vormachen: Auch diese besagten Menschen haben zu Bestzeiten etwa 1/4 Staffel Scrubs an einem Tag geschafft - und das während der Prüfungszeit!
Es bleibt also zu sagen: Schwere geistige Arbeit muss kompensiert werden mit regelmäßigen weniger anspruchsvollen Tätigkeiten, hingegen können kreative Aufgaben scheinbar nonstop erledigt werden. Merkwürdige Theorie...

Mittwoch, 13. August 2008

Dienstag, 29. Juli 2008

Volle Punktzahl! (Fast.)

Ich frage mich, nach einer gestern Abend recht spät stattfindenden USF-Sitzung, wie wir auf dem Schwarzacker wohl abschneiden würden bei der Entscheidung zu Mr. und Miss VIVA.
Sehen wir uns die einzelnen Kategorien mal an.
Da ist zunächst natürlich (wir sind ja nicht oberflächlich) der "body". Nun ja, 10 von 10 Punkten würde hier wohl am ehesten unser Lieblingssportler bekommen, immerhin ist er ein bisschen durchtrainiert und auch noch groß. Letzteres sind zwar außer mir alle, aber um mal alles zusammenzuschmeißen: Kein/e VIVA-Gewinner/in hätte einen zu großen oder zu kleinen Busen oder Hintern, geschweige denn zu kurze Beine oder gar Besenreiser auf diesen zu bemängeln.
Kategorie "face": Hier sind die Frauen des Schwarzackers klar im Vorteil - eins ist schließlich schöner als das andere. Der Sportler hingegen, naja - Ohrringe sind ja Geschmackssache; und Sanchez hat wohl noch immer keine neue Brille.
Bleibt noch eine Sache: die "personality". Für VIVA an dritter Stelle, ich bin konservativ und behaupte mal, dass diese Kategorie für den Schwarzacker die wichtigste ist. Hier spielt zwar niemand Eishockey oder hat schon mal moderiert (bei VIVA ist das nämlich wichtig), aber dafür hat jeder einzelne Bewohner des Schwarzackers wunderbare Macken, die die "personality" unserer Kommune erst so einzigartig machen (siehe auch alle vorherigen und kommenden Blogeinträge).
Wahrscheinlich könnte VIVA eine Menge Geld mit uns machen, aber wir müssen uns am USF ja nicht noch selbst beteiligen. Stattdessen bleiben wir in der/unserer Realität und "freuen uns glücklich", denn wir haben ja uns und unser Blog - und USF.

Sonntag, 20. Juli 2008

UND SO WEITER USF

Schon in mehreren vergangenen Posts wurde ein auf dem Schwarzacker ein der Wikipediawelt nicht geläufiges Akronym benutzt: USF. Ein kleines aber schwerwiegendes Detail unserer Lagebeschreibung liegt darin verborgen. Es wird Zeit für eine Auflösung, damit auch die letzte von ferne stirnrunzelnde Leserin im Bilde darüber ist, auf welch bizarre Weise wir uns zu bilden pflegen. Der tiefstgreifende Lektüreschaden des Schwarzackers wurde nämlich beileibe nicht von Idylle propagierenden Serien ausgelöst. Ebensowenig können mehrjährige LVZ-Abonnements dafür verantwortlich sein. Ja, nichteinmal die Treppenhausaushänge des minderalphabetisierten Hausmeisters vermögen, ein menschliches Wesen vergleichbar nachhaltig zu prägen.
Es war das Unterschichtfernsehen!
„DSDS“ und „Popstars“, „Bauer sucht Frau“ und „Schwiegertochter gesucht“, „Supermodel“ und „Das Model und der Freak“, „Bachelor“ und „Outback-Jack“ - sie alle haben über Monate, nunmehr Jahre unser Bildschirm-Curriculum dominiert, haben Schlaf-, Essens- und Lernzeiten durchbrochen. Endlich hatten wir Vorbilder für den zwischenmenschlichen Umgang gefunden. Danke, Dieter! Praxisnahe Orientierung erhielten wir von Vera, hinsichtlich der Verinnerlichung und des Umsetzens gendergerechter Rollenbilder. Und schließlich sind wir Heidi für die Korrektur unserer Schönheitsideale auf ewig dankbar. Fernsehen bildet ohne Schweißvergießen. Fernsehen macht glücklich!

Donnerstag, 17. Juli 2008

"Ich weine"

Ich bin schon mit einem Fernseher in meinem Kinderzimmer aufgewachsen und war dadurch hochgradig gefährdet, seriensüchtig zu werden. Mit zunehmendem Alter bekommen die meisten von uns solche Abhängigkeiten unter Kontrolle. Bei manchen geraten die Serien ihrer Jugend gar gänzlich in Vergessenheit oder sie ersetzen die alten durch aktuelle (darauf kommen wir noch).

Ich habe mir ein einziges Serien-Bonbon bis zum heutigen Tag bewahrt: „Unsere kleine Farm“. Der Postmann war einigermaßen irritiert, als ich einen im ganzen Treppenhaus widerhallenden Freudenschrei ausstieß und ihm das Päckchen aus der Hand riss: 70 DVDs – über 200 Folgen – 7 Tage und 6 1/2 Stunden Material – die heile Kinderzimmerwelt ist heutzutage käuflich erwerbbar.

Nun hat der Bildschirm auch auf dem Schwarzacker eine gemeinschaftsgenerierende Funktion und Seriensucht ist angesichts unserer beengten Wohnverhältnissen und des ausgeprägten Herdentriebs in hohem Maße ansteckend. So hatten auch S. und C. häppchenweise Anteil am Familien-Idyll von Walnut Grove. (Inhalte sollen an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden, sonst werden mir die Augen feucht und ich kann die Buchstaben meiner Tastatur nicht mehr erkennen.)

Lediglich auf einen gravierenden Unterschied sei hingewiesen: Tief berührt, weinend und mich haltsuchend an Harald schmiegend litt ich mit den Ingalls, während S. und C. die tragischen Momente lauthals lachend, augenrollend und unterbrochen von Küchen- und Klogängen meines Erachtens völlig verkannten. Wiederholt wurde mir von beiden der Lektüreschaden im Fach „Harmonische Lebensbewältigung“ bescheinigt. Ich prangere die um sich greifende Verrohung der Fernsehgefühle an und bin erschüttert über die mangelnde Empathiefähigkeit der "Jugend heutzutage" in Bezug auf kindliche Serienhelden. „Ich weine haltlos, wenn ich traurig bin und oft auch wenn andere traurig sind und überhaupt…“

Mittwoch, 16. Juli 2008

Nein, auf der anderen Schulter!

Ein Kommunenausflug zu Ehren des M., der anlässlich seines Geburtstages eine Essenseinladung für ein Restaurant seiner Wahl bekam. Natürlich geht man ins Steakhaus. Ein Teil der Kommune kommt, wie ausgemacht, in Abendgarderobe, die Elf in Jeans. Naja. Eine Bahnfahrt hin. Nichts Bemerkenswertes. Das Essen wird bestellt. Interessante Fakten werden ausgetauscht. Es scheint so, als gäbe es Frauen bei denen sich das Essen direkt auf die Brust schlägt. Aha. Man lernt nie aus. Das Essen kommt. Es schmeckt. Man kostet von fremden Tellern. Heiterkeit. Der Photoapparat hält Szenen einer Mahlzeit fest. Durchaus romantische Bilder. S. erzählt einen Witz. Ein Tier auf einer Schulter. Die Eiskarte wird gewünscht. Die Frauen bestellen Eisbecher, M. einen Teller Weinbergschnecken. Die Kellnerin zeigt sich entsetzt. Weinbergschnecken zum Nachtisch? Ja. Das Eis schmeckt billig und ist mit Sprühsahne garniert. M. zieht die Schnecken aus dem Gehäuse. L. und C. wollen auch probieren. Enttäuschend unschneckiger Geschmack. Der Ekeleffekt bleibt aus. Man zahlt. Die Stimmung stimmt. Am Bahnhof zeigt C. auf eine sehr klischeehafte Gruppe Jugendlicher mit Migrationshintergrund. E. weiß sich durch die Scheibe der Bahn geschützt und starrt diese ungeniert an. Das Interesse bleibt nicht unbemerkt. Ein Tumult entsteht. Sie rufen und machen Handzeichen. Man freut sich und macht mit. Zwei Haltestellen weiter. Umsteigen. Jemand sagt: “Die sitzen jetzt bestimmt in der Bahn, mit der wir weiterfahren”. E. sieht sie zuerst: “Sie sitzen ganz vorne, lasst uns hinten einsteigen”. Bis heute weiß niemand, was E. wirklich sah. Sie sitzen natürlich ganz hinten. Da, wo wir einsteigen. Man erkennt sich. Wiedersehen soll ja angeblich Freude machen. Eine laute und lustige Bahnfahrt. Breslauer Straße. Wir beschließen, den Abend bei einem Wein ausklingen zu lassen. Was folgt ist Sekt. Und eine bizarre Photoaktion. Kommunenpyramide. Warum nicht. Massagen. Zwanzig Minuten HIMYM. Die Nacht bricht herein. Bis morgen.