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Mittwoch, 9. Dezember 2009

alleinerziehend

Meine Kids (ein kleiner und ein großer Junge und ein kleines Mädchen) sind kreativ, eigensinnig und äußerst verspielt. Eigentlich ein Traum jeder Mutter... Dennoch frage ich mich, ob ich eine Selbsthilfegruppe für Alleinerziehende von Mehrlingen gründen sollte. Die Racker sind inzwischen zu viert. Ein noch kleineres, sehr behaartes Mädchen kam im Advent hinzu. Ihretwegen bunkert das kleine Mädchen nun sehr viel altes Obst und Gemüse auf der Heizung, denn das noch kleinere Mädchen muss gepflegt werden. Es ist das Kuschelspielzeug des kleinen Mädchens wenn der große Junge nicht da ist.
Der kleine Junge macht einen gesunden Eindruck. Er bevorzugt derzeit (naturgemäß) Hammer und Nägel als Spielzeug. Normalerweise wollte ich ihm ein altes Brett geben, in das er die Nägel dann hätte klopfen können, um Präzision und Kraft unter Beweis zu stellen. Mutti hätte ihn auch sicher hoch gelobt. Leider hat der kleine Junge, als Mutti mal kurz nicht hingeschaut hat, die kompletten Küchenwände genutzt, um seine Nägel zu platzieren. Die ostdeutschen Altbauwände sind jedoch sehr gemein hart. Der kleine Junge konnte seine Nägel nur wenige Millimeter versenken. Mindesten 2 cm schauen noch heraus aus der Igelwand. Glücklicherweise hat der kleine Junge die Nägel gleich genutzt, um die Wand zu tapezieren, und zwar mit Blechschildern von nackten Frauen, die mit Bierflaschen posieren. (Wahrscheinlich hat er die von seinem Vater – Gott hab ihn selig – geschnorrt. Der verfolgt mich nun bis in meine Küche.)
Das kleine Mädchen hat neben dem noch kleineren Mädchen noch weitere echte Mädchenhobbies. Aus ihren Kopflöckchen baut sie kleine Nester indem sie die dicken, blonden Ballen in allen Abflüssen unter den Siebeinsätzen versteckt, wo sie glaubt, dass Mutti sie nie findet. Ihr neues Leibgericht heißt „Herdplatte mit Käse überbacken“. Nun, ich finde, das ist wirklich Geschmackssache.
Aber ich will mich nicht nur beschweren: Der große Junge macht gar keinen Ärger. Er ist beinahe so lautlos, dass sich Mutti manchmal Sorgen macht, ob er überhaupt hier ist. Doch dann steht er plötzlich im zwielichtigen Flur und wirft einen langen Schatten. In diesem Moment weiß Mutti: „Alle Kinder leben noch und alle Kinder sind zu Hause.“ Man riecht es, man hört es, man möchte es verdrängen.

Dienstag, 7. April 2009

Schwarzackerdiplomfeier

Nun ist es wieder einmal soweit. Ein Schwarzackerianer beendete sein Studium und ist nun Diplom-Informatiker. Anlässlich diese Ereignisses lud er die 5 und die 11 in den Minoas-Palast ein. Ein kostenspieliger aber lohnenswerter Abend. Nachdem die 11, wie erwartet, eine halbe Stunde zu spät auftauchte und E. schon gegessen hatte, riefen wir ein Taxi und ließen uns zum Restaurant kutschieren. Eine Art Mafia hieß uns willkommen, geleitete uns ins Hinterzimmer und setzte uns mit unheimlich aussehenden Gestalten an einen Pokertisch. M., der damit gerechnet hatte, reichte seine Pomadedose herum. Eine halbe Stunde später verließen wir, bis auf die Knochen entkleidet, das Haus, besser gesagt, wir wurden hinausgeschmissen, weil L. wieder versucht hatte zu schummeln. D. und S. wurden geteert und gefedert, weil sie Asse im Ärmel hatten und die griechische Mafia nicht wusste, dass das hier normal ist. Also setzten wir uns auf die Straße, L. holte ihre Gitarre heraus und H.-G. sang dazu die schönsten Melodeien. Von dem ersungenen Geld, kauften wir uns Kleider und gingen Essen. So wurde es doch noch ein vollkommener Abend: M. erkannte sein zweites Ich und lernte es lieben, S. und E. konnten wiedermal beweisen, dass sie zwar von Mathe keine Ahnung haben, aber die Begriffe kennen, C. konnte ihre Kette zerreißen, L. konnte ihr neues Kleid tragen und D. durfte zahlen.

Samstag, 21. Februar 2009

Hunger

Ein berühmter Mensch hat einmal gesagt "Wer nicht arbeitet soll auch nichts essen". Ich bin nun aber in der Endphase meiner Diplomarbeit, so dass sich die Zahl der Stunden, die ich täglich arbeite im zweistelligen Bereich liegt. Daraus kann man schlussfolgern, dass ich auch Hunger haben darf und viel E S S E N!!!!! Da die Bibliothek heut nicht so lange aufhat, werd ich schon gegen 19 Uhr nach hause kommen, wenn also jemand auf dem Schwarzacker das bis dahin liest und Erbarmen mit mit hat, bereite er doch bitte ein schönes Abendessen vor! Wenn wirs bissl später machen, wird L. auch wieder von ihrer Arbeit zurück sein!

Montag, 9. Februar 2009

Nachdenken über L.-B.

Man bildet sich ein, man wäre informiert über die Ereignisse auf dem Schwarzacker. Man verfolgt den, ach nein, das Blog. Regelmäßig erreichen einen die neuesten Frühstückskonversationen und Themen der täglichen Diskussion. Und doch, einiges bleibt mir verborgen. Vielleicht bin ich wirklich zu weit entfernt oder schon zu lange weg vom Schwarzacker.
Frage Nr. 1: Welche 5er-WG?
Nun, da ich nach intensivem Überlegen darauf gekommen bin, dass die 5er-WG, keine aus fünf Personen bestehende WG ist, sondern die WG in der Hausnummer 5, bin ich schon ein wenig beruhigter.
Doch noch drängender Frage 2: Wer ist der externe Sa.?
Mysteriös. Sascha, Sandmann, Sarkozy, Salomo, Samurai, Salz auf unserer Haut ...?
Wer weiß, aber vielleicht muss man auch nicht alles wissen. Leiden wir nicht schon genug unter der dauerhaften Ausstellung des Privaten und Intimen in unserer voyeuristischen Gesellschaft? Ach so, wir bloggen. Naja, aber wer liest das schon? Noch nicht mal Sa.

Samstag, 7. Februar 2009

Frühstücksprotokoll

Wir haben beschlossen heute erstmals live zu bloggen. Situation: Frühstück, Samstag, 9 Uhr in der 5. Anwesend: Die 5er-WG, S. (von den Nachbarn) und Sa. (von außerhalb). Sa. gibt an, unser Blog noch nie gelesen zu haben, trotzdem darf er jetzt live mitschreiben. Gerade streiten alle darüber, was man schreiben sollte: S. reißt mal wieder die Discounterdebatte an, da ihr Nutella aus dem Discounter stammt, L. stellt fest, dass von 7 Brotaufstrichen immerhin 3 bio sind. Sa. schlägt vor, ich solle die einzelnen Kommentare aufschreiben, aber die waren bis jetzt zu belanglos. Eben läuft die Debatte: Sollte Butter unter den Belag auf das Brötchen oder nicht? Wo ist der Fisch? Wollt ihr nicht Krebse züchten? Willst du noch mehr Wasser, mei Guter? D. lacht sich gerade tot darüber, dass er ein Buch gelesen hat, in dem eine Frau Stasi heißt. Er wundert sich, dass wir das nicht sooooooo lustig finden und meint, der Schwarzacker müsse noch an seinem Humor arbeiten. L. definiert Humor. Eine Diskussion über Humor kommt auf. D. erzählt einen Witz, den er zuerst nicht verstanden hat: "Jedensfalls, also, ähm, sitzen ein Mann und seine Frau sitzen am Abendbrottisch. Sacht die Frau zu ihrem Mann: "Wir hatten seit 3 Wochen keinen Sex." Sacht der Mann: "Du."" Niemand lacht. Sa. versteht den Witz auch nicht gleich. Heute abend wollen die meisten ins Theater gehen. Informatiker mögen kein Theater. Heidegger wird erklärt. Existenz. Sein und Zeit. Leipzig stark bewölkt, sagt der Radiosprecher. In Stötteritz ist das nicht so. Da Sein Zeit ist, ist es jetzt schon wieder viertel elf. Zeit hat keinen Sinn an sich. Da Zeit Sein ist, hat Sein auch keinen Sinn. Allerdings hat die Frage nach dem Sinn des Seins auch keinen Sinn. Mit diesen doch recht optimistischen Worten brechen wir erfrischt ins Wochenende auf.

Montag, 13. Oktober 2008

M und M

Und mit dieser Überschrift meine ich nicht die nussgefüllten Schokolinsen, sondern die merkwürdige Kumulation mit M beginnender Namen, die sich in letzter Zeit hier auftut. Dies könnte sich schwierig auf das Schreiben weiterer Blogartikel auswirken. Diese könnten in Zukunft so aussehen: “Während M mit M chattet, erzählt L, wie sie mit M ihren Urlaub auf M verbracht hat. A, eine ehemalige Schwarzackerin, ist gerade zu Besuch gekommen, sie kommt direkt von M. Gerne möchte sie eine Kassette mitnehmen, die noch aus alten Zeiten in unserer WG liegt. Diese hat ihr M damals geschenkt. M ist noch nicht wieder aus L zurück, aber er wird in den nächsten Tagen erwartet.” Verwirrend. Und dabei wird kein einziger M doppelt genannt. Wie also könnten wir das Problem lösen? Man könnte den Ms Nummern geben. “Während M1 mit M2 chattet...” Eher nicht. Oder den zweiten Buchstaben anhängen. “...mit Ma ihren Urlaub auf Ma....direkt von Ma...ihr Ma damals...Ma ist noch nicht...” Zu dumm. Wenn ich die Namen ausschreibe, werde ich in spätestens einer halben Stunde entrüstet angerufen, wie ich es wagen kann, Malle-Freds Namen zu offenbaren. Wenn ich die Initialen völlig ändere, weiß niemand mehr, wer gemeint ist. Wenn ich den ersten Buchstaben des Nachnamens anhänge, wird der Text zu lang. Was für ein Dilemma! Also werde ich Spitznamen verteilen: M wird trotz beharrlicher Weigerung wieder zu E, M wird zu H, M ist schon ein Spitzname, könnte also zu A werden oder M bleiben, M wird zu B, über M wird eh nie geschrieben und M bleibt M, da er unter uns wohnt. Es sei denn, er möchte, wie seine Großmutter liebevoll zu ihm sagt, Schnurzelpurz genannt werden...

Dienstag, 23. September 2008

Zyklusberechnung: Tag 18 - und weiter?

Zyklen bestimmen auch das Leben in einer gemischt-geschlechtlichen WG. Einen wichtigen Zyklus gibt zum Beispiel der Putzplan vor. Geputzt wird bei uns immer an einem Tag zwischen Donnerstag und Dienstag. Schieben ist auch mal ausnahmsweise erlaubt, wenn einstimmig entschieden wird. Die Kärtchen für Küche/Bad/Flur wandern im Wochenrhythmus von S. zu E. zu M. und wieder zu S. Das Erinnerungs-Kärtchen für die Leerung des Staubsaugerbehälters verschwindet regelmäßig in selbigem. Die Bedienungsanleitung hat Dr. B. geklaut. Das Kärtchen für die Treppenhausreinigung ist nur noch ein Relikt aus alten Tagen - das machen jetzt externe niedriglohnempfangende Gebäudemanager.

Interessant ist, dass jede der drei WG-internen Putzen völlig ohne fremde Anleitung auch mehrere Nischenaufgaben für sich entdeckt hat:  S. putzt als Einzige den Badspiegel streifenfrei und sichert zuverlässig das Überleben der Balkonpflanzen. E. zeigt sich alleinverantwortlich für die Entkrümelung des Toasters und das regelmäßige Spülen der Herdknöpfe. M. ist exklusiver Papiermüll-entsorger und Geschirrtrockner. Wir sind organisiert. Wir arbeiten gabenorientiert.

Ein weiterer lebensstrukturierender Zyklus ist M.s Körperpflege. Einmal wöchentlich schließt er sich bei Kerzenschein mit Pearl Jam in sein gefliestes Heiligtum ein. Das rhythmische Quietschen des Auf-und-Zu-und-Auf-und-Zu des Wasserhahns zeigt zuverlässig den Wochentag an. Es ist Donnerstag - es ist Rasiertag.

Neuerdings ist mittwochs Vierzig-Grad-Schlüpfer-Waschtag. Auch die gute Candy arbeitet in Zyklen, denn M. besitzt nach eigenen Angaben nur siebzehn Schlüpfer und wenn er zum Beispiel am Sonntag für vierzehn Tage in ein Land ohne Waschmaschinen verreisen wollte, müssten mittwochs alle verfügbaren Unterhosen gewaschen werden, damit sie rechtzeitig trocknen könnten. Denn Donnerstag plus Freitag plus Samstag ist gleich drei. Vierzehn braucht er im Urlaub. Macht zusammen siebzehn. Ich frage mich, ob er am Waschtag-Mittwoch keine anzieht oder ob er sich verrechnet hat. Und wenn er wiederkommt, sollten die drei Daheimgebliebenen frisch gewaschen im Schrank liegen, damit das saubere Leben im Schritt nahtlos weitergehen kann?

M. ist ein berechnendes Wesen. Durch vorherige Berechnung erzielt er im Alltag Erfolgserlebnisse in regelmäßigen Abständen und schafft damit einen ganz besonderen Zyklus.

Samstag, 20. September 2008

Dem Kasper seine Frau...

Eben beim Mittagessen dachten wir darüber nach, was wohl einmal aus uns werden würde, ob wir uns je wiedersehen werden, wer von uns wahrscheinlich einmal Arbeit hat und wer es im Leben zu nichts bringen wird. Ich wurde in die letztere Gruppe einsortiert, allerdings wurde mir und noch einer Person ein sicherer Psychiatrieplatz prophezeit (Und das nur, weil ich die Farben grün und blau kombiniere!). Daraufhin fingen wir an, zu phantasieren von einem Leben auf Kosten des Staates und der Freiheit, den ganzen Tag tun und lassen zu können, was man will, ohne dafür verantwortlich gemacht zu werden. So beschlossen wir, uns kommunitär in einer Psychiatrie niederzulassen und wollen hiermit Interessierte zu unserem Projekt “Gemeinsam leben auf Kosten des Staates” herzlich einladen. Und das Schöne ist, wir bieten auch gleichzeitig Kurse für uns an, M. macht Sportkurse, S. lehrt Französisch, ich biete einen Tonfigurenkurs an und bei E. kann man die dunklen Seiten des Internets kennenlernen. Interessenten können sich in den nächsten Tagen bei uns melden. Das Projekt startet eventuell nächstes Jahr, es sei denn, das nächste Mittagessen bringt eine bessere Idee zur Lebensbewältigung hervor.

Mittwoch, 17. September 2008

Kommentar aus der Ferne

Erstaunlich, was nicht so alles auf dem Schwarzacker vor sich geht, wenn man mal paar Wochen außer Landes ist... Tststs, aber es bedarf eigentlich gar keiner Erklärungen, man kann sich erstaunlicherweise auch so ganz gut vorstellen, was bei euch vor sich geht :) Obwohl mich die Diskussionen zu dem Schwangerschaftspost bzw. dessen Entstehung schon sehr interessiert hätten. Aber das werde ich dann nächste Woche schon noch zu hören kriegen, hoffe ich.
Zunächst mal muss ich noch sagen, dass das Studentenleben erstaunlich unanstrengend ist, das ist zumindest mein vorübergehendes Fazit nach 3 Tagen harter körperlicher Arbeit - aber nicht ohne Konsequenzen, meine handwerklichen Fähigkeiten erweitern sich hier erheblich! Gut, oder!? Okay, man sollte an dieser Stelle ausblenden, wie viel und lange Nicht-Examens-Schreiber wie ich schon Urlaub hatten vorher - ich will mich ja auch gar nicht beschweren. Zugegeben ist es auch eine willkommene Abwechslung mal mit den Händen und nicht mit dem Kopf arbeiten zu müssen.
Dann wollte ich noch meiner Erleichterung darüber Ausdruck verleihen, dass es auch noch andere Schwarzackerbewohner zu geben scheint, die die Abstimmungen faken :) Das beruhigt doch glatt mein empfindsames Gewissen...
Ist es eigentlich gestattet den Schwarzackerblog auch von der Ferne zu füllen? Hm, wäre ja mal eine Abstimmung wert... Oder ich merke es dann einfach in den nächsten Tagen, wenn dieser Eintrag hier plötzlich gelöscht oder zensiert werden sollte... Nicht, das derartiges vorher schon vorgekommen sein sollte. Oder!?

Allen Prüfungsschreibenden weiterhin viel Erfolg und Freude am Lernen!

Samstag, 13. September 2008

Elementare Bedürfnisbefriedigung und folgenschwere synaptische Fehlzündungen - Eine wahre Geschichte?!



In jahrzehntelanger Forschung haben Wissenschaftler herausgefunden, dass "jeder Mensch bis zu 200 Mal täglich" lügt. Ich frage mich, ob auch das gelogen ist.

Wahr ist jedenfalls, dass ich seit einigen Wochen nicht nur als eine Schwarzackerhexe, sondern noch dazu als eine verlogene gebrandmarkt werde. Dass man mir damit Unrecht tut, möchte ich an einem Beispiel nachweisen. Mein jüngster Akt der Realitätsverzerrung, der als Lüge aufgeflogen ist, ging nämlich so:
Ich sitze am Schreibtisch und verspüre gegen 19:30 Hunger. In der Küche finde ich ein altes Stück Brot, das noch ca. drei Scheiben hergibt. Es würde meinen Hunger befriedigen, doch S. ist noch in der Bibliothek und kommt vermutlich innerhalb der nächsten Stunde hungrig nach Hause. Ich überlege: Wenn ich meinen Hunger an diesem Brot stille, dann steht S. vor dem leeren Brotkasten und verachtet mich für meine Ungeduld, meine Gier und meinen Egoismus. Ich kehre hungrig in mein Zimmer zurück und trinke Mineralwasser. Mein Magen soll begreifen, dass es nichts zu essen gibt. S. kommt nach Hause und schaut bei mir im Zimmer vorbei. Als ich ihr von meinem Hunger erzähle, fragt sie, warum ich nichts gegessen hätte. Ich antworte: Weil nichts da ist. Sie geht daraufhin geradewegs in die Küche, findet in der Brotkiste besagten Brotrest und schreit: „Warum lügst du mich an!!!“

Das geht mir durch Mark und Bein. Ich versuche mich zu erinnern, was ich als letztes überhaupt zu ihr gesagt habe. Doch bevor es mir einfällt werde ich durch einen weiteren Schrei aufgeklärt: „Warum behauptest du, es sei nichts zu essen da!!! Hier ist doch Brot!!!“

Ich fühle mich ungerecht behandelt. Jetzt verachtet sie mich aufgrund meiner Verlogenheit. Ich versuche, es ihr zu erklären. Aber wer einmal lügt…

P.S. Dann sagt S., sie habe keinen Hunger, der Mittagsdöner liege ihr noch quer im Magen und ich könne das Brot aufessen.

One-Night-Stands mit alternden argentinischen Kellnern

Es gibt Tage, da ist es schwierig, ein passendes Blogthema zu finden. Man hätte zwar viele Ideen und Möglichkeiten, diese sind allerdings ob ihrer Aktualität bzw. Peinlichkeit nicht “freigegeben”. Wenn dies dann endlich so weit ist, sind sie langweilig geworden, wie z.B. die Geschichte von L. und ihrem “väterlichen Freund” (auch L.), über die wirklich niemand mehr reden will. (Ich möchte an dieser Stelle hinzufügen, dass die Kürzel, die wir verwenden, scheinbar so undurchschaubar sind, dass Leser Probleme mit der Zuordnung haben, die Informationen, die wir in unseren Geschichten verwenden, werden also vertraulich behandelt.) Derzeit würde ich besonders gern über zwei Themen schreiben, eines davon wird wahrscheinlich nie freigegeben, One-Night-Stands sind eben immer noch ein prekäres Gebiet, und der argentinische Kellner ist noch zu frisch. Wir haben uns auch entschieden, nicht mehr über die Stimmungsschwankungen während der Prüfungszeit zu schreiben, obwohl meine nächtlichen Halluzinationen schon einen Blogeintrag wert wären. Themen, die weiterhin nicht bearbeitet werden sind die Brustgröße von S. sowie die Verschiebung der Zyklen von E., denn wer möchte darüber schon informiert werden. In nächster Zeit könnte sich auf Grund einer anstehenden Darmspiegelung in unserem Kreis ein nettes Geschichtlein finden, weiterhin könnte der neue Zwischenmieter T. für Gesprächsstoff sorgen. Und bis dahin denken wir uns einfach Geschichten aus, denn wer kann bei unserem Blog schon Realität und Fiktion unterscheiden? (Dabei fällt mir ein, wie wärs mit `nem Eintrag zu der Person unter uns, die selbst nicht merkt, wenn sie lügt? Ein dankbares Thema, oder?)

Dienstag, 9. September 2008

Dialog über Grundbedürfnisse

8:00 - kurzer Flur-Trialog als wir uns die Badklinke in die Hand geben:

"Morgn." - "Morgn." - "Morgn."

12:00 - "Hast du schon Hunger?" - "Hm." - "Kochst du heute?" - "Keine Zeit zum Einkaufen" - "Wir könnten die Rest-Nudeln von gestern mit mehr Nudeln strecken." - "Hm." - "Ich schneid gleich mal Gemüse für zwei Salate, dann spar ich morgen die Zeit das Zeug zu schnippeln."

12:30 - "Ich ruf mal C. an, dass das Essen fertig ist." - "Wer braucht eine Teetasse?" - "Ich nicht." - "Ich will lieber eine Gabel als einen Löffel."

13:00 - "Die Rest-Nudeln können wir ja morgen essen und der Salat ist auch schon fertig." - "Abspülen?" - "Nach der Prüfung dann." - "Sind ja genug Tassen da." - "Hm, dann bis später." - "Ruft mal rüber, wenn ihr ne Pause macht."

16:00 - M. kocht sich bei Speed-Metal einen Kaffee. E. hat zu diesem Zeitpunkt bereits drei bis vier Tassen getrunken und geht für zwei Stunden zum Ausgleichs-Sportkurs. S. überlegt, ob ihr Kreislauf einen zweiten Cappuccino vertragen kann.

18:00 - "Hast du schon Hunger?" - "Wann gibt's Abendbrot?" - "Hab mein Lernziel noch nicht erreicht." - "Frag in ner Stunde nochmal." - "Ich brauch nichts." - "Ich lerne auf Lücke."

20:00 - Die Hungrigen toasten sich eilig alte Brotreste und setzen die Nudeln der Vortage Mikrowellen aus. Die eisernen Vorräte an Fertiggerichten schwinden.

22:00 - "Ich mach heut nichts mehr." - "Ne Folge House zur Entspannung?" - "Aber nur eine..."

Mittwoch, 3. September 2008

Schwarzackerhexen!

Niemanden, der regelmäßig diese Seite oder den Ursprung dieser besucht, wird es noch wundern, dass auf dem Schwarzacker gewisse "Direktheiten" zum Alltag gehören. Ich will und kann mich davon keineswegs ausschließen, möchte jedoch vermerken, dass gewisse Äußerungen eher schon zur Kategorie der "Gemeinheiten" gerechnet werden müssen.
Eine Kombination aus zwei bestimmten Personen (E. + C.) scheint solche oftmals gedankenlosen Aussagen, die sich nicht selten mit vorherigen widersprechen und auf den unmöglichsten Argumenten, wenn man sie denn als solche bezeichnen will, basieren, besonders zu unterstützen. Sollte euch jemals eine oder mehrere Personen (vorrangig weiblichen Geschlechts) begegnen, die sich auf diese Art mitteilt/en, dürft ihr gern mit der Bezeichnung "Schwarzackerhexe/n" zurückschlagen. Die beiden, die ursprünglich damit gemeint sind, geben dann meist Ruhe, jedenfalls für die nächsten fünf Minuten...

Donnerstag, 7. August 2008

Zwischen 5 und 11...

Das kommunitäre Leben zeichnet sich in nicht geringem Maße durch das gemeinsame Essen aus. Zum Glück sind besonders die Geisteswissenschaftlerinnen unter uns mit großem Organisationstalent ausgestattet. Mindestens ein oder zwei Mal am Tag wird daher zwischen Hausnummer 5 und 11 hin- und hertelephoniert, um die Essensplanung zu klären. Was hat wer da, worauf hat wer gerade Appetit , wann ist wer da etc. Das ist gar nicht immer so leicht, denn es sollte niemand ausgeschlossen werden und nichts ist unangenehmer als einer völlig ausgehungerten Mitbewohnerin, die vom Sport kommt, mitteilen zu müssen, dass das ganze Essen aufgegessen wurde. Das sind glücklicherweise aber Ausnahmesituationen, da fast immer zu viel gekocht wird. Oft werden auch Zutaten aus beiden Wohnungen zusammengetragen. Es sollte daher niemanden wundern, der einmal zufällig auf dem Schwarzacker ist, dass diverse Leute verschiedene Geschirrteile, abgewaschen oder noch abzuwaschen oder auch mit essbarem Inhalt, zwischen 5 und 11 hin- und hertragen. Uns selbst macht das übrigens nichts aus, höchstens, wenn die Jugendlichen vor Hausnummer 9 einen blöd angrinsen, nur weil man innerhalb einer halben Stunde zum fünften Mal an ihnen vorbeiläuft. Dabei ist das der pure Neid: Wir essen eben gern und gut und vor allem äußerst ungern allein.

Mittwoch, 16. Juli 2008

Nein, auf der anderen Schulter!

Ein Kommunenausflug zu Ehren des M., der anlässlich seines Geburtstages eine Essenseinladung für ein Restaurant seiner Wahl bekam. Natürlich geht man ins Steakhaus. Ein Teil der Kommune kommt, wie ausgemacht, in Abendgarderobe, die Elf in Jeans. Naja. Eine Bahnfahrt hin. Nichts Bemerkenswertes. Das Essen wird bestellt. Interessante Fakten werden ausgetauscht. Es scheint so, als gäbe es Frauen bei denen sich das Essen direkt auf die Brust schlägt. Aha. Man lernt nie aus. Das Essen kommt. Es schmeckt. Man kostet von fremden Tellern. Heiterkeit. Der Photoapparat hält Szenen einer Mahlzeit fest. Durchaus romantische Bilder. S. erzählt einen Witz. Ein Tier auf einer Schulter. Die Eiskarte wird gewünscht. Die Frauen bestellen Eisbecher, M. einen Teller Weinbergschnecken. Die Kellnerin zeigt sich entsetzt. Weinbergschnecken zum Nachtisch? Ja. Das Eis schmeckt billig und ist mit Sprühsahne garniert. M. zieht die Schnecken aus dem Gehäuse. L. und C. wollen auch probieren. Enttäuschend unschneckiger Geschmack. Der Ekeleffekt bleibt aus. Man zahlt. Die Stimmung stimmt. Am Bahnhof zeigt C. auf eine sehr klischeehafte Gruppe Jugendlicher mit Migrationshintergrund. E. weiß sich durch die Scheibe der Bahn geschützt und starrt diese ungeniert an. Das Interesse bleibt nicht unbemerkt. Ein Tumult entsteht. Sie rufen und machen Handzeichen. Man freut sich und macht mit. Zwei Haltestellen weiter. Umsteigen. Jemand sagt: “Die sitzen jetzt bestimmt in der Bahn, mit der wir weiterfahren”. E. sieht sie zuerst: “Sie sitzen ganz vorne, lasst uns hinten einsteigen”. Bis heute weiß niemand, was E. wirklich sah. Sie sitzen natürlich ganz hinten. Da, wo wir einsteigen. Man erkennt sich. Wiedersehen soll ja angeblich Freude machen. Eine laute und lustige Bahnfahrt. Breslauer Straße. Wir beschließen, den Abend bei einem Wein ausklingen zu lassen. Was folgt ist Sekt. Und eine bizarre Photoaktion. Kommunenpyramide. Warum nicht. Massagen. Zwanzig Minuten HIMYM. Die Nacht bricht herein. Bis morgen.

Mittwoch, 9. Juli 2008

Die Seele des Schwarzackers

Wer schonmal einen Abend mit den Anwohnern des Schwarzacker-clans verbracht hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass hier andere Regeln herrschen. Vielleicht fühlen wir uns auch deswegen so wohl auf dem Schwarzacker, weil schon allein das Wort auf eher dunklen Humor schließen lässt? Zumindest soll es vorgekommen sein, dass sich unwissende Außenstehende leicht überfodert fühlten bei erster Tuchfühlung. Da wird einem schonmal unverblümt gesagt, man sei zu dick oder es werden andere wilde Spekulationen munter in den Raum geworfen. Hemmungen gibts jedenfalls keine und ernst nehmen darf man auf jeden Fall auch nicht alles. Es ist Vorsicht geboten und auch die Idee mit dem Beschwerdebriefkasten war ja schließlich nicht ganz aus der Luft gegriffen...

Aber setzt man sich einmal über den ersten Eindruck hinweg (der je nach Typ mehr oder weniger tiefe Spuren hinterlässt), so entdeckt man tief auf dem Grund des Schwarzackers eine warme und liebevolle Seele, die von Zuneigung, Fürsorge, Mütterlichkeit, Verständnis füreinander und einem erwärmenden Gemeinschaftssinn geprägt ist. Auch wenn man das manchmal nicht auf den ersten Blick entdeckt. Und auch wenn es viele von euch nur schwer glauben werden: neben Alkohol, USF und anderen Amüsements gibt es tatsächlich auch so etwas wie gemeinsames Essen, füreinander kochen, tiefgreifende Gespräche, ernst gemeinte "Wie geht's dir" und schlichtweg füreinander da sein und sorgen. Und glaubt mir: ich spreche aus Erfahrung...

Also, manchmal lohnt es sich eben doch näher hinzuschaun, viel Erfolg bei der Schatzsuche im Schwarzacker. Wer weiß, vielleicht schlummert da ja sogar noch der ein oder andere Schatz, der noch nicht zu Tage gebracht wurde!?

„Es gibt genau zwei falsche Antworten!“

Sprach er. Und es war eine Aussage, die legendär wurde. Ist ja auch nicht so leicht als einziger, jedenfalls fast einziger Mann unter vielen Frauen zu wohnen.
Da werden einem Fragen gestellt: Findest du eigentlich große oder kleine Brüste schöner? Lieber blond oder lieber dunkle Haare? Locken oder glattes Haar? Findest du, dass ich in dieser Hose fett aussehe? Warum bist du so selten da? Kannst du uns nicht leiden?
Da kann Mann schon froh sein, wenn die Fragen ab und zu eindeutig sind.
Darf ich dein Brot mit essen? Hast du noch Schokolade für mich? Holst du mir mal bitte die Kanne von da oben runter? Wann kochst du endlich mal wieder? Könntest du bitte abtrocknen? Findest du nicht, dass du ein bisschen schlampig geputzt hast? Willst du den Kaffee etwa nicht mit bezahlen? Hast du eigentlich schon mal die Fenster hier geputzt, und den Kühlschrank?
Na ja, fast eindeutig.

Montag, 7. Juli 2008

Freitag, 4. Juli 2008

Männer sind Spielzeug


Ein harmonisches Phlegma hat sich seit einigen Monaten auf dem Schwarzacker breit gemacht. Mein Neuner und meine Neunerin sind mittelmäßig erziehbar und weitgehend friedfertig. Wir leben beschaulich ruhig.
Doch es ist nicht einmal zwei Jahre her, da wohnten hier vorübergehend zwei exzessiv und verschwenderisch lebende Untermieter (m/w) mit nach eigenen Aussagen schweren psychischen Störungen des Männchens (sieben plus vier, ausgerechnet Trost- und Stresspunkte meiner Wenigkeit).
Eines Morgens machte ich im Bad eine grausige Entdeckung. Ein Button lag im Spiegelschrank - eingeklemmt zwischen seiner Zahnbürste und ihren verbogenen Haarklammern. (Haarklammern und Zahnbürsten dürfen in der Weltordnung einer Eins übrigens keinesfalls nahe beieinander aufbewahrt werden. Aber das steht in einem anderen Buch.) Der Button lag mit dem Gesicht nach oben auf Augenhöhe, so, dass ich nicht umhin kam, ihn zu lesen.
Nun ist Buttonlektüre im Allgemeinen ein Nischeninteresse. Fünf Minuten Fahrzeit, Stehplatz in der Bahn, keine Hände frei für die Zeitung - da kann man schonmal für ein paar Sekunden fremder Menschen buttonübersäte Armee-Rucksäcke studieren. Doch schon nach dem dritten Motiv wende ich mich gelangweilt ab. Immer dasselbe: Nirvana, Hanf und Anarchie.
An jenem Morgen war die Buttonlektüre nicht weniger ernüchternd:„Boys are toys!“ stand da weiß auf schwarz. „Männer sind Spielzeug!“ Nun, die enneagrammatische Eins erlaubt sich normalerweise keine Spielchen. Jeder Tag ist der Ernst des Lebens ein bisschen ernster zu nehmen. Ein tägliches Mindestmaß an To-Do-Punkten hatte sich auch der mitwohnende Parasit, Verzeihung Patient, notiert: Für den seltenen Fall, dass er noch vor Anbruch der Abenddämmerung erwachen sollte, stand da: „Baden – Frühstücken – aufstehen – Solarium – Therapie – Shoppen – Sexy sein“ in genau dieser Reihenfolge. Lange hat es ab dieser Entdeckung nicht mehr gedauert, bis die Neuner zu mir kamen.

Mittwoch, 2. Juli 2008

„Neun plus neun plus eins gleich elf“

J. ist eine prototypische Sieben. C. repräsentiert die Acht. A. ist sich recht sicher, eine Sechs zu sein. K. hat starke Kennzeichen einer Fünf. Die Zwei scheint in R. deutlich hervorzutreten. Dreien gibt es offensichtlich nicht so oft in unserem Bekanntenkreis. Und wenn S. keine Vier ist, dann weiß ich auch nicht.
Wenn man nicht aufpasst, redet man nach der Lektüre eines gewissen Buches nur noch in Zahlen (ein echter Lektüreschaden). Manche können nicht mitreden, weil sie es nicht gelesen haben. Manche reden mit, obwohl sie es nicht gelesen haben. Andere können gar nicht mehr aufhören, davon zu reden, seitdem sie es gelesen haben.
Das Schlimmste aber ist der Moment, in dem man herausfindet, welche Typen die eigenen Mitbewohner sind. Wochenlang kann man sich darüber streiten. Man könnte. Das geht aber nur, wenn man mit den entsprechenden Typen zusammenwohnt. Als konfliktsuchende Eins kann das für E. ganz schön daneben gehen, wenn sie mit zwei konfliktscheuen Neunern zusammen in der Schwarzackerstraße 11 lebt. Gut, dass es Nachbarn gibt!