Donnerstag, 23. Juli 2009
Sex oder Religion – Grenzen der freien Entfaltung
Donnerstag, 30. April 2009
Kulturreflexion
Irgendwie gehört alles zusammen, bereitet Probleme, Unverständnis, aber auch Faszination. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich gern wüsste, warum das dunkelhäutige Mädchen in Deutschland lebt, wie sich der Alte mit der Wasserpfeife hier fühlt und wie es in seiner Heimat aussieht, ob die türkische Mutter unterdrückt wird oder glücklich ist, ob sie die Farben ihrer Heimat und die Sonne vermissen, ob sie die Deutschen mögen...
Ich weiß, wenn ich wieder in Sachsen leben sollte, werde ich das alles vermissen, werde vergeblich frisches Fladenbrot in kleinen nach der weiten Welt duftenden Läden suchen und Kartoffeln essen.
Sonntag, 4. Januar 2009
Ein Herz für Tiere
Montag, 1. Dezember 2008
Dass Gott im Milchshake wohnt...
Der Fromme macht nach eigenen Angaben seit zwanzig Jahren die Erfahrung, dass das was in der Bibel steht absolut und komplett wahr ist, so wie es dasteht. Er meint, ich müsse nur mein Gehirn einschalten, dann könne ich es klar erkennen. Ich vermute eine unterschiedliche Bauweise unserer Gehirne, auch wenn ich mich der Komplexität der Hirnforschung nur zögerlich nähere - ist ja schließlich eine Männerdomäne.
Was sollen wir nun hierzu sagen? Es gibt keine Pointe, keinen gemeinsamen Nenner, keine Basis, keinen Anknüpfungspunkt - nur nacktes In-die-Welt-geworfen-sein, frieren, jammern, suchen, finden, verlieren, drehen, drehen, verweilen im freudvollen Nichts. "Der Mensch verträgt nur wenig Wirklichkeit." würde Peter wiederholt Thomas Eliot zitieren. Ich vertrage noch weniger Glühwein.
Montag, 24. November 2008
Die hellste Kerze im Leuchter...
Wer von euch Bewanderten erklärt mir nun, wie es kommt, dass schwarzacker.blogpsot.com Endzeitstimmung verbreitet, wo wir doch gerade Emanzipation und genüsslichen Lebensvollzug lernen? Ich distanziere mich hiermit von diesem Parallelangebot und melde mich zum Grundkurs: "Schreibmaschine" an. Guten Tag.
Samstag, 11. Oktober 2008
Zeugen des sich erweisenden Seins
Der Schwarzacker hat ein neues Fremdwort gelernt. Nachdem endlich alle wissen, was eine Häresie ist, baten wir - jederzeit an Praxisbeispielen interessiert - heute zum Frühstück ein paar Häretiker zu Tisch.
Gegen zehn Uhr zelebrieren wir in trauter Viersamkeit Abgründiges und Nostalgisches, als es an der Tür klingelt. Wir wissen, es kann noch nicht der Bruder sein, dessen Platz bis dahin freigeblieben war, da er sich erst vor Minuten auf den Weg zu uns gemacht hatte, in Gemeinschaft uns das Wort auszulegen.
Wie gesagt, es klingelt und eine Hexe geht, um die Tür zu öffnen. Der erste Fehler, denn zu so früher Stunde ist auch die gemeinste Hexe noch selbstlos genug, die unter Umständen lebenverändernde Debatte mit den unerwarteten Gästen nicht im Türrahmen alleine zu führen. Nein, sie will, dass wir alle teilhaben und so bittet sie die Unbekannten herein an den Frühstückstisch. Sie sind Zeugen und wollen an diesem Morgen Zeugnis geben. Wir geben ihnen nichteinmal Kaffee.
Sie freuen sich, dass auch wir vorgeben, mit der Transzendenz etwas anfangen zu können und uns bis auf wenige Ausnahmen am Tisch glaubhaft als fromme, betende Kirchgänger ausweisen. Sie verstehen andererseits nicht, dass wir vor der Zukunft trotz Bankenkrise keine Angst zu haben scheinen. Einige von uns blicken betreten schuldbewusst zu Boden ihres apokalyptischen Desinteresses angesichtig.
Ich schließe mich im Bad ein und ärgere mich, dass ich für solche Gelegenheiten kein Buch dabei habe, um die Zeit zu überbrücken. Ich ziehe kurz in Erwägung, nach Hause (nach nebenan) zu flüchten, aber mein Kaffee steht noch auf dem Küchentisch. Ich muss also bald zurück, wenn ich ihn noch heiß trinken will. Gerade als ich die Küche betrete, behauptet jemand, ich sei die Theologin in der Runde, woraufhin mir unkontrolliert Hasstiraden entfahren. Der Zeugenblick ruht auf mir. Man erwartet von mir auf Basis unterstellter Hebräischkenntnisse eine Erklärung des Jehova-Namens. Statt eine solche zu geben, beiße ich ignorant und schweigsam in mein Brötchen. Ich hatte insgeheim auf dem Klo beschlossen, den lieben Gott heute eine gute Frau sein zu lassen.
Nach einer gefühlten Stunde trifft auch der Bruder ein und die Zeugen räumen den Kriegsschauplatz mitsamt geistlicher Waffenrüstung, die sie zuvor ausgepackt hatten. Schwester A. spekuliert, die Gäste mögen unsere Gesellschaft als Momentaufnahme krampflosen Christseins wahrgenommen haben. (Sollten sie das tun, war das sicherlich zu keinem Teil mein Verdienst.) Des Bruders sonore Stimme schallt beherzt durchs Treppenhaus: "Gott mit euch!"