Montag, 17. November 2008
Two big problems
Es war ein kühler Novemberabend und es hatten sich, auf L.s Einladung hin, alle in der 5 versammelt. Ein paar Außenstehende waren auch dabei. Anlass war der Besuch von Malfredo, wir sollten ihn an diesem Abend genauer kennenlernen. Und so geschah es auch. Wein wurde ausgeschenkt, die Shisha kreiste um den Tisch und es gab knoblauchgetränkte Häppchen. Und dann begann er zu reden. “I want everybody to listen, I have to tell you about the two big problems in Argentina.” Also lauschten wir alle, in Erwartung eines gesellschaftskritischen Vortrages. “The first big problem is: All chicas from Chile and Paraguay and the other countries only love Argentinean men.” Wir, als gestresste und ausgelaugte Deutsche, konnten dieses Problem nicht ganz nachvollziehen, und so gab es einige Rückfragen. Über diesen vergaß unser Gast ganz, das zweite Problem zu erklären. Einige Stunden und Weingläser später brachte ich das Thema erneut auf, denn es interessierte uns nun schon, womit dieses Land sich außerdem herumquälte. Ich fasse es mal kurz zusammen: Das zweite große argentinische Problem ist die steigende Emanzipation der südamerikanischen Frau. Wir nahmen ihm etwas die Furcht vor L., die er sich aus unserem Lande erwählt hat, indem wir ihm erzählten, dass es so etwas wie weibliche Emanzipation in Deutschland nicht gäbe, hier die Welt und die Rollenbilder noch in Ordnung seien. Bestes Beispiel dafür ist wohl der Schwarzacker. Tagein tagaus stehen wir Frauen in Schürze und natürlich Rock am Herd und bekochen unsere männlichen Mitbewohner, die dafür ohne Murren Fahrräder reparieren, Klinken auswechseln, Computer bauen und uns die Einkäufe die Treppe hochtragen. Wir Frauen putzen außerdem regelmäßig die Wohnung, kaufen wollene Socken und stopfen diese auch, wenn M. mal wieder auf der Jagd über eine Wurzel gestolpert ist. So ist es hier wirklich...
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3 Kommentare:
Dem kann ich nur beipflichten! Deutschland ist ein von der Emanzipation der Frau weitgehend verschontes Land.
Bestes Beispiel: Ein Schüler der 11. Klasse einer Gesamtschule des drittletztplatzierten Bundeslandes in der neuen PISA-Erweiterungsstudie fragte heute im Deutschunterricht nach der Bedeutung des Wortes 'Emanziptaion'. Vielsagend.
Da bleibt wohl nur: Direkt vom Abi an den Herd.
Liebe Pusteblume!
War es ein Schüler oder eine Schülerin? Da ich euch Lehramtskandidatinnen seit Jahren versuche beizubringen, dass ihr nicht Lehrer, sondern Lehrerinnen werdet, muss ich diese Nachfrage stellen. Wenn es ein Schüler war, plädiert Luftwurm dann für dessen Emanzipation im Selbstversuch am Herd? Unklar bleibt, wem er den Fraß vorsetzen will, eine Frau wird sich dafür nicht hergeben.
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