"Gibt’s hier im Krankenhaus eigentlich W-Lan?“ Fragende Blicke. „Wer oder was ist denn bitte W-Lan?“ - „Gibt es einen Internetzugang?“ - „Ah, Internet, ja das Wort hab ich schon mal gehört.“ Nun, ich wusste schon immer, dass mein Heimatbundesland, in dem ich nun außerplanmäßig gestrandet bin, nicht gerade mit kommunikativer Infrastruktur gesegnet ist, aber in der Niederlassung einer Klinikkette, die per Website sogar „Gute-Besserungs-Karten“ an stationäre Patienten verschicken lässt, könnte ein kabelloser Zugang zum World Wide Web durchaus als selbstverständlich gelten.
Es ist deprimierend. Ich drücke den Altersdurchschnitt auf meiner Station um etwa mein eigenes Alter nach unten. Im Gegenzug fühle ich mich in Gesellschaft meiner zwei Zimmergenossinnen wie einhundertfünf. Lediglich die Praktikantin ist sichtlich jünger als ich. Sie macht gerade Fachabitur im medizinischen Bereich und deshalb ein dreimonatiges Praktikum. Ihr hatte ich die W-Lan-Frage gestellt, in der Hoffnung, sie gehöre zu meiner, also einer Online-Generation. Abitur in Thüringen ist auch nicht mehr das, was es mal war, zu meiner Zeit... Das gibt mir zu denken. Ich fand sie nett.
Aus Zimmer 3 habe ich schon an meinem ersten Tag eine Art Schaltzentrale gemacht. Die Festnetznummer wurde systematisch an den Schwarzacker und dessen Assoziierte verteilt. Seitdem klingelt beinahe ununterbrochen das Sorgentelefon der Besorgten, die sehr effektiv meine Langeweile vertreiben. Habe ich die Menschen damit schon manipuliert und missbraucht?
Bei mir laufen viele Fäden zusammen. Mutti regelt die Dinge auch vom Stufenbett aus, prima. So gefällt mir das. Keiner hat bisher bemerkt, dass ich auf Drogen bin. Leckere Opioide und Analgetika kombiniert mit Infusionen und Elektroschocks schärfen mein Urteilsvermögen.
Ich kann den Freunden und Verwandten zahllose gute Ratschläge geben und lasse mir im Gegenzug bereitwillig „Gute-Besserung“ wünschen, sowohl per elektronischer Grußkarte als auch per Telefon oder Handschlag.
„65627 – Ruf – mich – an!“
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