Freitag, 4. Juli 2008

Männer sind Spielzeug


Ein harmonisches Phlegma hat sich seit einigen Monaten auf dem Schwarzacker breit gemacht. Mein Neuner und meine Neunerin sind mittelmäßig erziehbar und weitgehend friedfertig. Wir leben beschaulich ruhig.
Doch es ist nicht einmal zwei Jahre her, da wohnten hier vorübergehend zwei exzessiv und verschwenderisch lebende Untermieter (m/w) mit nach eigenen Aussagen schweren psychischen Störungen des Männchens (sieben plus vier, ausgerechnet Trost- und Stresspunkte meiner Wenigkeit).
Eines Morgens machte ich im Bad eine grausige Entdeckung. Ein Button lag im Spiegelschrank - eingeklemmt zwischen seiner Zahnbürste und ihren verbogenen Haarklammern. (Haarklammern und Zahnbürsten dürfen in der Weltordnung einer Eins übrigens keinesfalls nahe beieinander aufbewahrt werden. Aber das steht in einem anderen Buch.) Der Button lag mit dem Gesicht nach oben auf Augenhöhe, so, dass ich nicht umhin kam, ihn zu lesen.
Nun ist Buttonlektüre im Allgemeinen ein Nischeninteresse. Fünf Minuten Fahrzeit, Stehplatz in der Bahn, keine Hände frei für die Zeitung - da kann man schonmal für ein paar Sekunden fremder Menschen buttonübersäte Armee-Rucksäcke studieren. Doch schon nach dem dritten Motiv wende ich mich gelangweilt ab. Immer dasselbe: Nirvana, Hanf und Anarchie.
An jenem Morgen war die Buttonlektüre nicht weniger ernüchternd:„Boys are toys!“ stand da weiß auf schwarz. „Männer sind Spielzeug!“ Nun, die enneagrammatische Eins erlaubt sich normalerweise keine Spielchen. Jeder Tag ist der Ernst des Lebens ein bisschen ernster zu nehmen. Ein tägliches Mindestmaß an To-Do-Punkten hatte sich auch der mitwohnende Parasit, Verzeihung Patient, notiert: Für den seltenen Fall, dass er noch vor Anbruch der Abenddämmerung erwachen sollte, stand da: „Baden – Frühstücken – aufstehen – Solarium – Therapie – Shoppen – Sexy sein“ in genau dieser Reihenfolge. Lange hat es ab dieser Entdeckung nicht mehr gedauert, bis die Neuner zu mir kamen.

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