Samstag, 19. Juli 2008
„Warum liegt hier eigentlich Stroh?“
Diese Frage bezieht sich keineswegs auf ein gewisses Youtube-Video zwielichtiger Art. Nein es geht hier vielmehr um die natürlichen Roggenstroh-Matratzen in unserem Quasi-Wohnzimmer, das eigentlich das (Schlaf-)Zimmer von E. ist. Über etwa ein Jahr lang musste nämlich eine schwerwiegende Entscheidung getroffen werden: Worauf sollten sich USFler zukünftig niederlassen? Besser: Worauf sollte E. in Zukunft schlafen? Stellt sich zunächst die Frage, worauf sie bisher geschlafen hatte: IKEA-Doppelbett, zusammenklappbar, auch als Sofa zu gebrauchen. Matratzen leider nicht sehr rückenfreundlich, was natürlich die Überlegung zu wechseln erst aufkommen lässt. Ein weiteres Kriterium: Frau ist jetzt wieder single. Wozu also noch ein Doppelbett? Da hört sie von diesen harten Matratzen aus Stroh. Schon einmal hatte sie darauf geschlafen und völlig unerwartet war sie ohne Rückenschmerzen aufgewacht – oh Wunder. Also findet sie heraus, dass Leute aus dem Bekanntenkreis in einigen Wochen zwei solcher Matratzen von sonst wo her nach S. in die thüringische Heimatstadt der Betroffenen bringen könnten. Irgendwann später, bei Gelegenheit, würden diese mit einem Auto nach LE. transportiert werden können. Gesagt, getan, nach weiteren Wochen, in denen sie sich überlegt, wo sie nun den Rahmen eines Einzelbettes herbekommen könnte, ist die Gelegenheit da. Zwei Riesenmatratzen, die sich zunächst eher nach Stein als nach Stroh anfühlen, werden in besagtes Zimmer einquartiert. Das Einzelbettgestell hatte sich bei einem benachbarten Räumungsverkauf recht günstig erwerben lassen und zum Probeliegen in der ersten Nacht lässt sie das alte Bett noch stehen und beschließt, auf einer der neuen Matratzen zu schlafen. Allerdings mit Auspolsterung durch Schaffelle. Nun ja, wie erwartet sind die Rückenschmerzen am nächsten Morgen extrem. Zu dieser Zeit wird die These noch ignoriert, die Schmerzen kämen davon, dass die sämtlich nötigen Umräum- und Schlepparbeiten – Truhe, Bettgestell, besagte Matratzen – von E. eigenständig und ohne Hilfe (Frau ist schließlich emanzipiert) durchgeführt worden waren. Die Sache wird also wieder abgebaut, so wird das nichts. Wie kriegt sie jetzt diese blöden Matratzen wieder los? Und wie kann sie C. erklären, dass sie das ihr schon versprochene Doppelbett doch behalten will? Nun, es gibt auf alles eine Antwort. C. findet sich damit ab, obwohl sie schon große Bettlaken von der Mutter geschenkt bekommen hatte und ansonsten gibt’s ja E-bay. Dann ist E. sowieso vier Wochen lang nicht da: Fun-Reise nach Amerika. Und dass sie hinterher das Doppelbett doch wieder braucht, hat zwar vorher niemand gewusst, aber gut, dass es nun noch da ist. Wenige Wochen später versucht sie es noch mal mit dem Stroh (bei E-bay hat sich bis jetzt niemand gemeldet). Eine neue Idee: Beide Matratzen auf das Doppelbettgestell. Diesmal mit Hilfe. Ein Glück. Denn siehe da: Der Rücken schmerzt weder nach der ersten noch nach der zweiten Nacht. (Die weiter oben beschriebene Ahnung bestätigt sich also widerwillig.) Außerdem ist der Mensch ja ein Gewohnheitstier. Die USF-Gucker finden es auch gut. Und so scheint die Geschichte fast in Vergessenheit zu geraten, bis: es eben anders kommt. Eine Lüge bahnt sich an. Eine mit Konsequenzen. Keine schlimmen. Jedenfalls nicht für E. Unverhofft klingelt nämlich eines Tages das Telefon. Eine weibliche Person am anderen Ende der Leitung freut sich darauf, möglichst schnell an zwei Roggenstrohmatratzen zu kommen, die laut Internet unter dieser Nummer zu bestellen sind. Die sollen nämlich sehr gut für den Rücken sein. Gut, dass E. fast alles ohne mit der Wimper zu zucken sehr überzeugend erklären kann. Voller Selbstvertrauen und mit ehrlichem Bedauern wird also der Frau gesagt, dass die Matratzen schon verkauft sind. Am Abend wird das schlechte Gewissen reumütig gereinigt, in einer kleinen Aussprache bei der Mitbewohnerin. Nun ja, die Frau wird es verkraften und E. ist wahrscheinlich schon längst drüber weg. Nur manchmal erinnert eine kleine Ermahnung an den langen Weg zum Roggenstroh: „Wehe ihr verschüttet eure Getränke auf mein Bett. Das ist Stroh. Das schimmelt dann.“ Und mit einem Schmunzeln auf den Lippen widmen sich die anwesenden Personen wieder dem spannenden Geschehen einer Lieblingsserie, unterbrochen von USF-Pausen…
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