Auch wer Kommunikationswissenschaft studiert hat, muss nicht zwangsläufig eine gelingende Kommunikation praktizieren. Dazu gibt es immer wieder verstörende Beispiele. Man nehme eine Dreier-WG (zwei Frauen, ein Mann). Der junge Mann wohnt nur kurzfristig zur Zwischenmiete in Vertretung von Sport-M. bei den beiden offenherzigen Damen. Er wurde nicht gecastet, wie es sonst auf dem Schwarzacker üblich ist, sondern qualifizierte sich durch rasche Überweisung mehrerer Monatsmieten im Voraus auf das Konto von Sport-M. An dieser Stelle sollte jedem klar werden, dass es sich um einen jungen Mann aus Südwestdeutschland handeln muss.
Bereits in den ersten Tagen des gemeinsamen Wohnens stellen die Damen fest, dass der junge Mann ein Stehpinkler und Sackkratzer sein muss, da die Toilettenbrille regelmäßig entsprechende Spuren aufweist und erheblichen Ekel erregt. Die Frauen beraten sich und entscheiden in beinahe seelsorgerlicher Kompetenz, der junge Mann solle sein Gesicht angesichts der thematischen Brisanz wahren können. Es müsse also ausreichen, ihn lediglich durch ein anonymes Hinweisschild auf die Verschmutzung aufmerksam zu machen. Die Damen beschließen daher keine Face-to-face-Konfrontation zu riskieren, sondern bekleben stattdessen den Spülkasten mit der dezenten, aber deutlichen Skizze eines Stehpinklers im Kreis des Verbotschildes. Nun heißt es: abwarten. Doch es ändert sich nichts. Weiterhin muss das Klo vor Benutzung durch Frau geputzt werden und die Frustration steigert sich. Endlich fasst sich eine der Damen ein Herz und spricht den jungen Mann leicht verlegen an, ob er denn das Schild im Bad wahrgenommen habe. Die Antwort: "Ja, das habe ich gesehen, aber ich habe mich davon nicht angesprochen gefühlt." Die irritierte Dame fragt daraufhin, ob er der Meinung sei, er wohne mit Stehpinklerinnen zusammen. Er zuckt mit den Achseln. Er zeigt von sich weg. Er zieht ja bald aus...
Mittwoch, 14. Januar 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen