Dienstag, 20. Januar 2009
„Revolutionary Road“ – eine Filmkritik
Kaum hatte ich die Trennung von Take That im zarten Alter von vierzehn überwunden, da kam das zweitgrößte Drama meiner Pubertät auf mich zugerollt und ins Kino: Titanic. Der Abschied von Kate und Leo an der geborstenen Tür, als seine gefrorene Hand ins tiefschwarze eisige Meer hinab taucht, unvergesslich, tragisch, doch ich hatte Hoffnung. Schließlich musste ich nur knapp zehn Jahre beten, bis Take That wieder zueinander fanden, heilsam, wenn auch ohne Robbie. Dass es bei Leo und Kate ein paar Monate länger dauern würde, leuchtete mir ein, schließlich war eine Frau im Spiel. Egal, ich ging ins Kino. Ich wollte sehen, wie die beiden sich weiterentwickelt haben. Und siehe da, welch Überraschung, der Mensch ist ein Widerholungswesen. Wieder geht es um Klassengesellschaften. Wieder sind die Rollenbilder klar konturiert, undurchlässig. Der Mann muss in der Lage sein, die Frau zu versorgen. Wieder gibt es einen Geschlechtsakt in einem stehenden Fahrzeug. Wieder trägt sie seine Leibesfrucht in sich - diesmal wissentlich. Wieder sind beide sich einig, sie könnten die gesellschaftlichen Regeln brechen und ausbrechen. Wieder müssen sie feststellen, dass sie einer narzisstischen Illusion erlegen sind. Wieder werden sie vom Schicksal überrascht. Wieder stirbt einer der beiden und der andere bleibt mit dem Nachwuchs zurück. Es gibt am Ende Rührei, es gibt nicht Neues in der Revolutionary Road. Kate und Leo haben in elf Jahren nicht viel gelernt. Ebenso wenig, wie die Musik von Take That in zehn Jahren besser geworden ist. Ich werde meine Gebetsanliegen überdenken.
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