Jahreszeiten haben ihren Reiz. In Äquatornähe spricht man nur von Regen- und Trockenzeit. Manche thüringischen Mittelgebirgsortschaften kennen nur die Unterscheidungen in Winter und strengen Winter. Die gemäßigte Klimazone ist da etwas differenzierter und bewegt sich im Vierschritt durch Frühling, Sommer, Herbst und, na ihr wisst schon.
Unsere Wohlstandsgesellschaft bringt jedoch noch weitaus komplexere Wetterepochensysteme hervor. Zurzeit befinden wir uns im Neujahrs-Glückwunsch-Rausch, dicht gefolgt vom Winterskiurlaubswahn und Faschings-Verkleidungshype. Schließlich kommen dann zeitgleich Osterhase und Kreuzigung - wer soll das aushalten? Weltfrauentag und Männertag inklusive Himmelfahrt werden vorsichtig ins erste Kalenderhalbjahr eingestreut. Wenn der Kindertag dann gefeiert wird, ist Pfingsten gerade vorbei und die Sommerferien sind nicht mehr weit. Da beginnt dann viel zu spät der Diätwahn. Die Urlaubsziele werden planmäßig erreicht und eine Debatte zur globalen Erwärmung begleitet uns durch das Sommerloch. Kaum sind die Ferien vorbei, werden die Zuckertüten von Halloween-Kürbissen und Reformationsbrötchen abgelöst. Gewiss lassen auch Weihnachtsmänner und Christkinder nicht mehr lange auf sich warten, sodass umfangreiche Grundlagen für die Diät im nächsten Jahr gelegt werden können. Als krönender Abschluss finden sich pünktlich im Ladenregal chinesische Tischfeuerwerke, polnische Böller und Raketen ein und das Spiel kann von vorne beginnen. Prosit Neujahr! Nicht zu vergessen, zu jedem beliebigen Anlass besteht die Gelegenheit, sich ein Gläschen zu genehmigen. Alkoholzeit ist heutzutage ein ganzjähriges Phänomen.
Freitag, 2. Januar 2009
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