Samstag, 4. Oktober 2008
Unter Schwestern
In der letzten Woche war ich auf der ersten Diakonissentrauerfeier meines Lebens und obwohl ich großen Respekt vor diesen Frauen habe, denke ich, dass dies nicht meine Berufung ist. Schon mein, meiner Meinung nach, wirklich seriöses Beerdigungsoutfit fand Ungnade (ok, das Kleid war vielleicht etwas kurzer als die Gewänder der Schwesternschaft und Stiefel kennen die wahrscheinlich nur aus Filmen mit Prostituierten, ach nein, sowas gucken die ja auch nicht, egal). Eine besonders interessierte Schwester fragte mich in schnippigem Ton, ob ich nicht frieren würde. Zum Glück antwortete meine leibliche Schwester für mich, dass dies kein Problem wäre, da wir gerade Tischtennis gespielt hätten. Ich denke nicht, dass die Diakonisse der Meinung war, dass dies eine angemessene Beerdigungsaktivität sei. Bei der Ansprache der Oberschwester (die genauso hieß wie ich!), in der sie erklärte, wie so eine Beerdigung normalerweise abläuft, passierte mir das nächste Malheur. Sie erzählte in die Stille des Raumes hinein, dass die Schwestern normalerweise direkt hinter dem Sarg herliefen und dabei überlegten, wer aus ihrem Kreis wohl die nächste sein würde. Sie formulierte es wohl etwas anders, aber das Bild war zu schön und ich musste gegen meinen Willen lachen, während die strafenden Blicke meiner Verwandtschaft, die die Situationskomik nicht erfasst hatte und sich fragte, wie man in meinem Alter so wenig Anstand haben konnte, mich ächteten. Der Rest des Tages lief dann doch noch glimpflich ab, ich gab mir Mühe und lachte nur, wenn es erwünscht war, hielt mich beim Essen zurück, zog mein Kleid so tief wie möglich nach unten und freute mich beim Anblick der grell-blauen Schwesterngewänder darüber, dass ich mir meine Klamotten selbst aussuchen kann.
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